Geschmackvoll

Anja Harteros interpretiert Orchesterlieder von Wagner, Berg und Mahler, Valery Gergiev darf sie begleiten

Richard Wagner selbst sah sie bekanntlich als Studien zur ultimativen Obsession seiner «Handlung» in drei Aufzügen. Und auch für Anja Harteros dürften die «Wesendonck-Lieder» ein Etappenziel gewesen sein – zur ersten Isolde, die sie im Sommer am Münchner Uraufführungsort riskierte (OW 8/2021).

Weniger um Konditionelles ging es naturgemäß bei der CD-Einspielung der fünf Stücke, eher um Wortdurchdringung und auch um Technisches: Letzteres kann bei einer Sopranistin, die ihre Triumphe und Trümpfe in Höhenflügen ausspielt und mit Wagners tief gelagerten Liedern zurechtkommen muss, zum Problem werden. Auch bei Harteros wirkt dieser Bereich nicht unbedingt frei. Doch das Nachdrücken in der unteren Mittellage, der dann immer leicht gutturale Klang, gibt dem Ganzen eine aparte Note. Keinen vokalen Defekt hört man heraus, eher ein zusätzliches Ausdrucksmittel. Und wie sie ihre Stimme bei «Im Treibhaus» bruchlos und musterhaft verblendet durch die Etagen des Notensystems nach oben geleitet, dürfte jeden Gesangspädagogen erfreuen.

Nie führt Harteros Wagners emotionale Kondensate als Perlen eines Diven-Colliers vor. Das betrifft auch Gustav Mahlers «Rückert-Lieder» und die «Sieben frühen ...

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Opernwelt November 2021
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 24
von Markus Thiel

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