Geschmackvoll
Richard Wagner selbst sah sie bekanntlich als Studien zur ultimativen Obsession seiner «Handlung» in drei Aufzügen. Und auch für Anja Harteros dürften die «Wesendonck-Lieder» ein Etappenziel gewesen sein – zur ersten Isolde, die sie im Sommer am Münchner Uraufführungsort riskierte (OW 8/2021).
Weniger um Konditionelles ging es naturgemäß bei der CD-Einspielung der fünf Stücke, eher um Wortdurchdringung und auch um Technisches: Letzteres kann bei einer Sopranistin, die ihre Triumphe und Trümpfe in Höhenflügen ausspielt und mit Wagners tief gelagerten Liedern zurechtkommen muss, zum Problem werden. Auch bei Harteros wirkt dieser Bereich nicht unbedingt frei. Doch das Nachdrücken in der unteren Mittellage, der dann immer leicht gutturale Klang, gibt dem Ganzen eine aparte Note. Keinen vokalen Defekt hört man heraus, eher ein zusätzliches Ausdrucksmittel. Und wie sie ihre Stimme bei «Im Treibhaus» bruchlos und musterhaft verblendet durch die Etagen des Notensystems nach oben geleitet, dürfte jeden Gesangspädagogen erfreuen.
Nie führt Harteros Wagners emotionale Kondensate als Perlen eines Diven-Colliers vor. Das betrifft auch Gustav Mahlers «Rückert-Lieder» und die «Sieben frühen ...
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Opernwelt November 2021
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 24
von Markus Thiel
Wie nur wenige Herrscher vor oder nach ihm hat Napoléon Bonaparte Musikgeschichte geschrieben. Musikpolitik war für ihn Machtpolitik, und also versuchte er seinen Ruhm vor allem von der Opernbühne herab zu untermauern, indem er den Franzosen in Gestalt der von ihm favorisierten Komponisten Paisiello, Paër und Spontini den italienischen Geschmack oktroyierte – mit...
Anno Mungen ist nicht der Erste, der sich auf die Suche nach Wieland Wagners Anfängen macht. Seine nüchtern protokollierende Chronik stellt zusammen, was die Fakten hergeben. Hier kann er, gegenüber Brigitte Hamann und Ingrid Kapsamer (deren Monografie er nicht erwähnt), mit neuen Funden aufwarten. Er hat die ungedruckten Tagebücher von Gertrud Strobel, der Frau...
Das Publikum war verzückt. Da war ein Werk in der Welt, das man nicht kannte, nicht kennen konnte, weil es sich in den Tiefen verstaubter Schubladen verbarg. Dank der unermüdlichen Forschungen des Kunsthistorikers Oskar Hagen wurde der Schatz gehoben, und das nur zwei Jahre nach Ende des Ersten Weltkrieges (in den die Deutschen anfangs mit der allergrößten...
