Visionäre mit Schattenwurf
Drogenabhängig waren sie alle drei. Doch nicht der Rausch bacchantischer Verzückung war es, nach dem Karl Marx, Richard Wagner und Friedrich Nietzsche trachteten. Der Grund dafür, dass sie zeitlebens, in unterschiedlicher Dosierung, dem Opium zuneigten, war um einiges prosaischer: Es linderte schlichtweg ihre zum Teil extrem schmerzhaften körperlichen Leiden. Und es sorgte dafür, dass sie ihrer jeweiligen «Arbeit» zumindest über weite Strecken einigermaßen entspannt nachgehen konnten.
Bei aller Unterschiedlichkeit der Charaktere, Ansichten und «Fachgebiete» eint Marx, Wagner und Nietzsche vor allem eines: Sie waren Visionäre, ohne die sowohl die gesellschaftspolitische als auch die philosophische und musikalische Welt heute eine andere wäre; und sie stritten für ihre Überzeugungen und Utopien mit allen Mitteln der (rhetorischen, politischen, philosophisch-ästhetischen, klanglichen) Kunst. Und so irrt Herfried Münkler nicht, wenn er in seinem Buch mit dem triftigen Untertitel «Welt im Umbruch» das Herausragende ihres Schaffens herausstellt: «Alle drei waren Sterne, die einen langen, rotglühenden Schweif hinter sich herzogen, der immer noch am Funkeln ist beziehungsweise nach ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt November 2021
Rubrik: BUCH des Monats, Seite 29
von Jürgen Otten
Violette Blitze schießen aus zwei gigantischen Drahtsäulen. Es brutzelt und lärmt gewaltig. Auf der Bühne steht ein Tesla-Transformator. Er wirft nicht nur im richtigen Zeitpunkt Funken, sondern setzt, in Tonhöhe wie Rhythmus, zudem elektrische Spannung (inklusive ihrer späteren Entladung) frei. Sein Erfinder Nikola Tesla ist die Hauptfigur von «Electric Saint»....
Wanderer, kommst du nach Macerata, begegnet dir das Wissen – und noch einiges mehr. Die mittelalterliche 40.000-Einwohner-Stadt, rund 50 Kilometer südlich von Ancona gelegen, ist nicht nur Sitz der 1290 gegründeten Universität; dort wurde zwischen 1823 und 1829 zudem ein für Europa einzigartiges, geschlossenes Stadion gebaut, das «Sferisterio». Entworfen hatte es...
Der Weg in den Himmel ist steinig. Die Freuden des ewigen Lebens werden einem nicht geschenkt. Die Zeit ist knapp, um ausreichend Gutes zu tun. Weshalb sie einen gleich anmahnt, sie zu nutzen. Zudem ist der Aufstieg ins Licht gepflastert mit Versuchungen irdischen Vergnügens, Verlockungen von Macht, Reichtum und mondänem Glanz. Gäbe es da nicht den «Schutzengel»,...
