Auf himmlischem Parkett
Der Weg in den Himmel ist steinig. Die Freuden des ewigen Lebens werden einem nicht geschenkt. Die Zeit ist knapp, um ausreichend Gutes zu tun. Weshalb sie einen gleich anmahnt, sie zu nutzen. Zudem ist der Aufstieg ins Licht gepflastert mit Versuchungen irdischen Vergnügens, Verlockungen von Macht, Reichtum und mondänem Glanz. Gäbe es da nicht den «Schutzengel», der unter dem Talmi von Gold und Glitzer Verfall und Verwesung freilegen würde.
Dann aber kann das duale Wesen von (rasch wandelbarem) Körper und (kritisch nachfragendem) Geist nicht einmal mehr die Drohung der Höllenqualen schrecken. Und ewig währt am Ende das Fest.
Die moralische Botschaft dieses Spiels von Seele und Körper, «Rappresentatione di Anima e di Corpo», ist mit Händen zu greifen. Und so, wie Robert Carsen sie zum Saisonstart am Theater an der Wien inszeniert, durchaus zeitlos. Emilio de’ Cavalieri ist der Schöpfer dieses Mysterienspiels, das, im Jahr 1600 in Rom entstanden, als «erste Oper» gehandelt wird – sieben Jahre vor der Inkunabel der Gattung, Monteverdis «L’Orfeo». Der wissenschaftliche Streit um die rechte Klassifizierung interessiert den Regisseur allerdings weniger. Auch die religiöse, also ...
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Opernwelt November 2021
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Karl Harb
Das war ein kerniger Einstieg. «Verrückt», so lautete diesen Sommer das Motto des Lucerne Festival. Das Luzerner Theater, in das unter der Leitung von Ina Karr ein neues Team eingezogen ist, nahm die Vorgabe beim Wort und wagte sich für die traditionelle Koproduktion mit den Festspielen an Mauricio Kagels «Staatstheater». Mutig war das, weil das kleine Haus über...
Claudio Monteverdis «Il ritorno d’Ulisse in patria» ermöglicht immense musikalische Freiheiten – die Instrumentation dieser Oper ist bekanntlich nicht überliefert, die «Partitur» enthält nur Melodie- und Gesangslinien sowie den bezifferten Bass. In Pandemie-Zeiten eine ideale Ausgangslage für ein Opernhaus, da eine reduzierte Besetzung möglich ist. Die Dramaturgie...
Violette Blitze schießen aus zwei gigantischen Drahtsäulen. Es brutzelt und lärmt gewaltig. Auf der Bühne steht ein Tesla-Transformator. Er wirft nicht nur im richtigen Zeitpunkt Funken, sondern setzt, in Tonhöhe wie Rhythmus, zudem elektrische Spannung (inklusive ihrer späteren Entladung) frei. Sein Erfinder Nikola Tesla ist die Hauptfigur von «Electric Saint»....
