Geniale Mischung

Lohn für jahrelange Detektivarbeit: Gaetano Donizettis «L’Ange de Nisida» ist weit mehr als nur Vorschein seiner populären «Favorite»

Opernwelt - Logo

Eine Donizetti-Uraufführung! Bei gut 70 Opern – kommt es da auf eine mehr oder weniger an? Ja, denn «L’Ange de Nisida» erweist sich als ein Geniestreich. Aber ist diese Partitur nicht in «La favorite» aufgegangen, die Ende 1840 an der großen Oper in Paris herauskam? So glaubte man zu wissen. Gewiss, die Grundzüge der Handlung sind identisch. Doch nur knapp die Hälfte der für das Théâtre de la Renaissance konzipierten Partitur ging in «La favorite» ein.

Die andere Hälfte bietet unbekannte Musik – die zum Teil wiederum aus einem anderen Kontext stammt, aus der unvollendeten, italienischsprachigen «Adelaide».

Wichtiger als die komplizierte Philologie ist freilich die eigentümliche Tonlage dieses «Ange de Nisida»: pikanter und spritziger als später in «La favorite» – und in der einzigen Frauenrolle überdies brillanter. Denn am Staatstheater musste es feierlich zugehen (und die Titelpartie der tieferen Stimmlage der Geliebten des Operndirektors angepasst werden). So wurde das Skandalöse des Sujets abgeschwächt: Zwar hat auch in «La favorite» ein König eine Geliebte. Nun aber im fernen Mittelalter, in Santiago de Compostela, und nicht im Königreich Neapel. In «L’Ange de Nisida», dessen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2019
Rubrik: CD des Monats, Seite 27
von Anselm Gerhard

Vergriffen
Weitere Beiträge
Utopien der Freiheit

Drei Anläufe unternahm Beethoven, ehe er mit seiner einzigen Oper «Fidelio» ans Ziel kam. Aber er war nicht der Erste, der Jean-Nicolas Bouillys angeblich auf eine wahre Begebenheit zurückgehendes Libretto «Léonore, ou l’Amour conjugal» bearbeitete. Das Sujet vereint mit dem Kampf gegen willkürliche Tyrannei und dem siegreichen Triumph der Liebe archetypische...

Was kommt... Juni 2019

Fanny Ardant
Ihr Spiel umwehte stets  ein leiser Hauch von Exzentrik. Noch in ihren letzten Filmen zeigte die französische Diva, über welche darstellerischen Farben sie verfügt. Nun wagt sie sich, gerade 70 Jahre jung geworden, an die Oper und inszeniert in Athen Schostakowitschs «Lady Macbeth von Mzensk». Wir fahren hin

Cecilia Bartoli
Die Rolle passt...

Flehend und fordernd

Das Buch ruft erst einmal Schrecken hervor, ausgelöst durch sein Gewicht (2,5 Kilogramm), den Preis (99 Euro) und die Flut hunderter (!) Fotografien von Christian Thielemann – Großaufnahmen unzählig variierter Aspekte des Dirigierens, von Brust, Kopf, Augen, Armen und Händen des Dirigenten, die den Taktstock virtuos tanzen lassen. Thielemanns Präsenz bei Proben...