Passion der Klarheit
Ein Rest von Geheimnis muss bleiben. Fragen irren auch am dunkelhellen Ende mit dem seltsamen Sieg der Ariane über den Frauenpeiniger Blaubart weiter unbeantwortet in diesem märchenverschwommenen Raum umher. Wäre es anders, stammte die Textvorlage nicht von Maurice Maeterlinck – und die Musik nicht von Paul Dukas. Die Brille des nach psychologischer Plausibilität forschenden Theaters führt hier nur bedingt zu gesteigerter Durchsicht.
Deswegen darf es genial genannt werden, wie Stefano Poda in seiner Inszenierung am Théâtre du Capitole eine Lichtstudie über die Schattierungen der Farbe Weiß wagt. Milchig hinter Gaze verschleiert ist der Beginn, so dass der Blick auf die einzige schwarz gewandete Gestalt, die an der Rückwand kauert, zunächst keineswegs deren Identität enthüllt. Ist es der Herr im Haus, der Mann mit den lebenden weiblichen Leichen im Keller? Die wuchtige Figur entpuppt sich indes als Arianes Amme, der Janina Baechle die hintergründige Urgewalt einer Erda leiht. Dann erst ist der große Bühnenbildwurf langsam zu erkennen, den Poda als veritabler Gesamtkunstwerker ersonnen hat. Er versinnbildlicht die Gefangenschaft von Blaubarts fünf Frauen mit einer gewagten Verbindung ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Abendstimmung am Nilufer. Wellen kräuseln sich, ein Gazeschleier dient als Folie für die Abbildungen altägyptischer Gottheiten und Hieroglyphen, am Horizont klebt eine blutrote Orange. Für Aida sind es die Minuten der Wahrheit. Die äthiopische Königstochter muss sich entscheiden zwischen Liebestod und Sklaverei (wobei ihr Ersteres um einiges plausibler erscheint),...
Das Thema der diesjährigen Uraufführung an der English National Opera: der Urvater aller Serienmörder, «Jack the Ripper». So lautet der Titel des neuen London-Stücks von Iain Bell (nach «A Harlot’s Progress», siehe OW 12/2013). Gewiss, die Morde spielen eine Rolle, werden in den Erläuterungen eines Pathologen reflektiert. Doch als Figur taucht der Täter nicht auf....
Bei Wagners «Tristan und Isolde» entscheidet sich alles im Vorspiel. Schon die ersten vier Takte sind schicksalhaft – für die folgende «Handlung» im Allgemeinen wie für die Qualität jeder einzelnen Aufführung im Besonderen. Die in den Celli sich aufwärtsschwingende Sexte ist wohl das gefährlichste Entrée der Operngeschichte.
Alain Altinoglu weiß das. Zwar...
