Instandgesetzt
Manchmal muss eben der Brandschutz ein Machtwort sprechen, damit sich etwas bewegt. Im Wuppertaler Opernhaus wäre wohl bis heute alles beim Alten, wenn die Feuerexperten nicht eines Tages die Schließung des maroden Gebäudes angedroht hätten. Erst dann rang sich die hoch verschuldete Stadt am Rande des Bergischen Landes durch, den Bau aus den fünfziger Jahren endlich zu sanieren.
Fünf Jahre dauerten die Arbeiten, vierundzwanzig Millionen Euro haben die denkmalgerechte Auffrischung des in Foyers, Treppenhäusern und Zuschauerraum erhaltenen Wirtschaftswunder-Designs, die Überholung der Funktionsräume und die Modernisierung der veralteten Bühnentechnik offiziell gekostet. Ein Fünftel der Summe steuerte die Privatstiftung des Industriellen Werner Jackstädt bei. Nun strahlt der Solitär zwischen Wupper und Barmer Bahnhof, der 1943 bei einem britischen Bombenangriff schwer beschädigt und 1956 neu eröffnet wurde, wieder im Glanz der bundesrepublikanischen Gründerjahre – als Symbol einer Architektur, die sich an der im NS-Staat unterdrückten (westlichen) Moderne orientierte, die klare Linien und Formen favorisierte und so jene «coole» Ästhetik begründete, in der sich der pragmatische ...
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Die Krone ist ihm zu groß. Immer wieder schiebt Boris Godunow die monströse Kopfbedeckung nach oben, blickt sich verwundert um, als verstehe er gar nicht, was da passiert, während das Volk auf Befehl ihm, dem neuen Zaren, zujubelt. Bereits in den ersten Augenblicken wird klar: Dieser Mann ist ein Unbeteiligter. Eben hat er noch Trainingsanzug getragen, mehr...
Wie wenig sich die Zeiten ändern! 1992, als die Scala-Saison ebenfalls mit «Don Carlo» eröffnet wurde, habe vier Tage «Weltuntergangsstimmung» geherrscht und eine «nationale Identitäskrise» gedroht, berichtete Gabor Halasz damals in «Opernwelt» (siehe OW 2/1993). Der Grund: Luciano Pavarotti war grausam ausgepfiffen worden, weil er das hohe «H» nicht einwandfrei...
Kalt scheint der Mond, und eigentlich ist er nichts anderes als eine Projektionsfläche menschlicher Sehnsucht. Irgendwann wird darin das Gesicht einer sich schminkenden Salome sichtbar, und Salome ist es denn auch, die wenig später – spärlich bekleidet, in aufreizenden Stiefeletten – die schlichte Szene des Aachener Theaters betritt: eine Paris Hilton, die nicht...
