Gemeinsam einsam
Er ist einer, der die Welt der Kunstmusik gern auf den Kopf stellt. Der österreichische Komponist Georg Friedrich Haas tut das immer wieder – immer wieder überraschend und immer wieder fruchtbar. Als im Jahre 2000 die FPÖ in die Regierung des ÖVP-Bundeskanzlers Wolfgang Schüssel eintrat, komponierte er das mittlerweile legendäre Ensemblestück «In vain», das über längere Strecken in völliger Dunkelheit gespielt werden muss.
Ein Jahrzehnt später trat er bei den Donaueschinger Musiktagen mit dem Konzert «Limited Approximations» in Erscheinung, bei dem sechs im Zwölfteltonabstand gestimmte Klaviere nach der Art von Streichern zu glissandieren schienen, während das Orchester in den Tonhöhen so festgefügt wirkte wie ein Klavier. Seine jüngste Grenzbegehung nun trägt den Titel «Liebesgesang» und ist eine Oper, von der nicht feststeht, ob sie tatsächlich eine Oper ist.
Das von den Bühnen Bern in Auftrag gegebene und jetzt aus der Taufe gehobene Stück – wie «Bluthaus» von 2011, «Thomas» von 2013 und «Koma» von 2016 enstand es in Zusammenarbeit mit dem Librettisten Händl Klaus – sieht ausschließlich zwei Vokalpartien vor: «Sie» und «Er», mehr nicht. Mutterseelenallein steht das Paar über ...
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Opernwelt Juli 2024
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Peter Hagmann
In einem Selbstinterview gab Glenn Gould 1972 seine Abneigung gegen Beethovens «König-Stephan-Ouvertüre» freien Lauf – «mehr oder minder von der ersten bis zur letzten Note». Die folgenden neun Nummern dieser anlässlich der Eröffnung des Deutschen Theaters in Pest am 9. Februar 1812 komponierten Schauspielmusik erwähnte der kanadische Pianist erst gar nicht. Eine...
Er konnte auch anders. Und, kaum zu glauben, manchmal entdeckte Theodor W. Adorno, großer (Lehr-)Meister der dialektischen Verschachtelung, in sich den Literaten. So beispielsweise in jenem Aufsatz aus den «Moments musicaux» von 1934, der später Eingang in Adornos Beethoven-Buch fand. «Die Reife der Spätwerke bedeutender Künstler», lesen wir da leicht amüsiert (und...
Vor gut 200 Jahren, genau am 7. Mai 1824, kam Beethovens Neunte Symphonie am Wiener Kärntnertor-Theater zur Uraufführung – ein Jubiläum, das nun in der Musikwelt gebührend gefeiert wurde: TV-Dokumentationen erinnerten an diesen Meilenstein der Musikgeschichte, der Fernsehsender Arte sendete nacheinander Aufführungen der Symphonie-Sätze live aus Leipzig, Paris,...
