Gemeinsam einsam
Er ist einer, der die Welt der Kunstmusik gern auf den Kopf stellt. Der österreichische Komponist Georg Friedrich Haas tut das immer wieder – immer wieder überraschend und immer wieder fruchtbar. Als im Jahre 2000 die FPÖ in die Regierung des ÖVP-Bundeskanzlers Wolfgang Schüssel eintrat, komponierte er das mittlerweile legendäre Ensemblestück «In vain», das über längere Strecken in völliger Dunkelheit gespielt werden muss.
Ein Jahrzehnt später trat er bei den Donaueschinger Musiktagen mit dem Konzert «Limited Approximations» in Erscheinung, bei dem sechs im Zwölfteltonabstand gestimmte Klaviere nach der Art von Streichern zu glissandieren schienen, während das Orchester in den Tonhöhen so festgefügt wirkte wie ein Klavier. Seine jüngste Grenzbegehung nun trägt den Titel «Liebesgesang» und ist eine Oper, von der nicht feststeht, ob sie tatsächlich eine Oper ist.
Das von den Bühnen Bern in Auftrag gegebene und jetzt aus der Taufe gehobene Stück – wie «Bluthaus» von 2011, «Thomas» von 2013 und «Koma» von 2016 enstand es in Zusammenarbeit mit dem Librettisten Händl Klaus – sieht ausschließlich zwei Vokalpartien vor: «Sie» und «Er», mehr nicht. Mutterseelenallein steht das Paar über ...
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Opernwelt Juli 2024
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Peter Hagmann
Er konnte auch anders. Und, kaum zu glauben, manchmal entdeckte Theodor W. Adorno, großer (Lehr-)Meister der dialektischen Verschachtelung, in sich den Literaten. So beispielsweise in jenem Aufsatz aus den «Moments musicaux» von 1934, der später Eingang in Adornos Beethoven-Buch fand. «Die Reife der Spätwerke bedeutender Künstler», lesen wir da leicht amüsiert (und...
Die Geschichte ist alt. Sehr alt. Wir finden sie in der Bibel, im «Buch der Richter», Kapitel 16. Und schon der Beginn lässt einen erschaudern: Die Geschichte spielt in Gaza, und sie handelt vom Sterben. Simson, von Gott als Nasiräer geweiht, kommt nach Gaza, geht zu einer Dirne und wird dafür von den Menschen dort gehasst. Sie wollen ihn umbringen, doch Simson...
Das Bild, man kann es nicht anders sagen, ist trostlos. Einsam und verlassen, im eleganten, schwarzglitzernden Kleid, die Haare halbhoch getürmt, hockt Katerina Ismailowa in der Dunkelheit vor dem Hintereingang eines Varieté-Theaters, begleitet nur vom elegischen Gesang der Soloklarinette, von sehnsüchtigen Violinen und zarten Flötenterzen, so als habe das Leben...
