Gegen das Vergessen
Die Greek National Opera bringt im Großen Saal ihres architektonisch wunderbaren Renzo-Piano-Baus regelmäßig die großen Repertoirestücke heraus. Direkt nebenan gibt es mit der «Alternative Stage» eine weitere Spielstätte für rund 500 Gäste; der multifunktionale Raum ist wohl einer der wenigen Orte überhaupt, wo es möglich ist, pro Spielzeit vier neue Bühnenwerke zu präsentieren. Nun kam dort «Madre Salonico» zur Uraufführung, ein Stück, das mehr Theater mit Musik ist als genuines Musiktheater.
Madre Salonico – das ist die Mutter Thessaloniki, über Jahrhunderte hinweg mediterranes Schutzgebiet für jüdische Flüchtlinge, besonders für die sephardischen. Lange waren die jüdischen Bewohner die größte Volksgruppe der Stadt – vor den Türken und, weit abgeschlagen, den Griechen. Hauptsprache war das heute fast ausgestorbene Ladino, ein spanischer Dialekt mit hebräischen und wenigen griechischen Einsprengseln.
Die Geschichte um die einst berühmte Sängerin Zana und ihren Enkel Idó, der in New York lebt, ist ein bisschen konstruiert, und die Musik besteht aus einfachen Liedern – aber das macht nichts. Die Anliegen dieses Abends sind andere, und sie sind gewichtig: Eine wichtige, reichhaltige ...
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Opernwelt Mai 2025
Rubrik: Magazin, Seite 81
von Stephan Knies
An einem Oktobermorgen im Jahr 2021 sitzen sich zwei Menschen an einem Tisch im US-Bundesstaat Virginia gegenüber: auf der einen Seite Diane Foley, die Mutter des Journalisten James Foley, und ihr gegenüber Alexanda Kotey, einer der IS-Terroristen, der für die Geiselnahme und Ermordung ihres Sohnes mitverantwortlich gemacht wurde. Wie der Schatten eines entfernten...
Unter Mozarts Da-Ponte-Opern gibt der «Don Giovanni» die größten Rätsel auf. Schon die Bezeichnung Dramma giocoso evoziert jene gespannte Ambivalenz, zwischen der das Stück quasi in der Luft zu hängen scheint. Andererseits bietet die Stellung zwischen Komödien-Himmel und Drama-Hölle ausreichend Raum für exzessive Experimente. Bereits in den 1980er-Jahren verlegte...
Wer schön sein will, sagt der Volksmund, muss leiden. Und wer wüsste das besser als Clorinda und Tisbe, die beiden «rechtmäßigen» Töchter Don Magnificos. Die Ouvertüre zu Rossinis Dramma giocoso zeigt sie bei morgendlichen Gymnastik-Übungen; angeleitet werden die beiden schläfrigen Damen von einem Tanzquartett, das in knappen weißen Trikots überaus gelenkig und mit...
