Gefühlsproben
Ganz entspannt sitzen die Orchestermusiker auf der Bühne des Heidelberger Theaters, man wartet noch auf die Solisten. Offenbar soll eine sogenannte Sitzprobe stattfinden, in der die Sänger zum ersten Mal ihre Partien mit dem großen Orchester ausprobieren. Zur Sicherheit liegen die Klavierauszüge bereit, alle warten auf die Sopranistin. Schließlich wird es den Beteiligten zu dumm, sie fangen schon mal an mit der Konzertoper «Phaedra».
Kurz darauf hat auch die Diva ihren großen Auftritt, legt erst mal die Einkaufstüten ab, um gerade noch rechtzeitig für ihren Einsatz am Notenpult anzukommen.
Bei der Uraufführung an der Berliner Staatsoper hatte Regisseur Peter Mussbach in der Rauminstallation von Olafur Eliasson auf monumentale und rätselhafte Größe gezielt. Die tragische Liebe der Mutter zu ihrem Sohn trat in den Hintergrund zugunsten eines magischen Bildertheaters. Daniel Cremer stellt in seiner Inszenierung das Gemachte, das Brüchige des Stücks in den Vordergrund. Aus der Probensituation entwickelt sich geradezu beiläufig die Geschichte emotionaler Abhängigkeit und unbändigen Hasses. Der naive Hippolyt ist in Gestalt des elegant phrasierenden Emilio Pons zu Beginn noch ganz Tenor, ...
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Auf dem Weg viele Stufen hinauf zur St. Peter-und-Pauls-Kathedrale, diesem wunderbaren Joint Venture von Romanik, Gotik und Barock, das die Altstadt von Brünn überragt, hören wir aus einem Haus eine keifend scharfe Frauenstimme. Da wir in Sachen Leos Janácek hier sind, wird uns sofort klar, woran sie uns erinnert: an Kostelnicka, die Küsterin aus «Jenufa» – eine...
Es gibt ein berühmtes Foto von Igor Strawinsky: der Meister mit auf die Stirn geschobener Brille, die Welt mit großen Augen betrachtend. Genau so verwundert wäre er wahrscheinlich angesichts der Verbotszettel gewesen, die bei den Vorstellungen seines «Rake» im November an den Türen des Theaters an der Wien klebten. Denn dass eine seiner Opern ins Visier des Wiener...
Herr Jacobs, Sie haben sich vom Frühbarock in die Wiener Klassik vorgetastet. Bei den Mozart-Dirigenten alten Schlages, wie etwa Karl Böhm, war es eher umgekehrt, die kamen von Romantik und Spätromantik. Ist der Zugang zu Mozart also heute ein ganz anderer?
Bei mir hat es an erster Stelle damit zu tun, dass ich meine Karriere als Countertenor begonnen habe und schon...
