Herausfinden, was er wirklich wollte...
Auf dem Weg viele Stufen hinauf zur St. Peter-und-Pauls-Kathedrale, diesem wunderbaren Joint Venture von Romanik, Gotik und Barock, das die Altstadt von Brünn überragt, hören wir aus einem Haus eine keifend scharfe Frauenstimme. Da wir in Sachen Leos Janácek hier sind, wird uns sofort klar, woran sie uns erinnert: an Kostelnicka, die Küsterin aus «Jenufa» – eine Figur mit eingebautem Rasiermesser: Man schneidet sich an ihr. Der Komponist war ihr vermutlich im Wirtshaus begegnet.
Er saß ja oft da, hörte den Gästen zu, notierte Gesprächsfloskeln, Sprechtonfälle, Satzmelodien, sog den mährischen Sprachklang ein wie ein Schwamm. Atemlos hingefetzt manchmal die Notenschrift, in ihrer schlampigen Flüchtigkeit den Wirtshauspalavern ähnlich. Und ähnlich schwierig zu entwirren.
«Es ist oft sehr schwer zu rekonstruieren, was er wirklich wollte», sagt Tomás Hanus, seit diesem Herbst Künstlerischer Direktor der Oper in Brünn. «Er hat auf einem weißen Blatt Papier die Linien gezogen und dann die Noten hineingewühlt. Wenn er eine Mittagspause machte und danach auf einem anderen Blatt weiterschrieb, führte das manchmal zu merkwürdigen Tempo-
relationen, weil er einfach vergaß, dass er einen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Um lobende Hinweise auf seine Verdienste ist André Heller-Lopes nicht verlegen. Gleich drei Tageszeitungen zitiert der selbstbewusste Brasilianer im Programmheft zu seiner jüngsten Bühnenarbeit, um sich in strahlendes Licht zu rücken. Am Londoner King’s College ausgebildet, sammelte Heller-Lopes unter anderem an Covent Garden, an der Met und in San Francisco...
Irgendwann muss es ja einer mal aussprechen: Die meisten Sängerinnen haben einen schrecklichen Geschmack, was ihre Konzertkleidung betrifft. Beim Abschlusskonzert des 37. Bundeswettbewerbs Gesang schwebt am 1. Dezember gleich eine ganze Reihe grauenhafter Roben über die Bühne der Deutschen Oper Berlin: Kleider, die so gestrig, so trutschig, so geschmacklos in ihrem...
Während der ganzen Aufführung steht die Bühne zentimetertief unter Wasser, dem Element von Leben und Tod. Kent Nagano hat seine Frackhose fast bis zum Knie hochgekrempelt, um den Applaus mit den Darstellern entgegenzunehmen. Er scheint sich über den Beifall fürs Regieteam, für die Sänger, allen voran Michael Volle als stimmgewaltiger Wozzeck, zu freuen. Das...
