Die Musik des Textes
Herr Jacobs, Sie haben sich vom Frühbarock in die Wiener Klassik vorgetastet. Bei den Mozart-Dirigenten alten Schlages, wie etwa Karl Böhm, war es eher umgekehrt, die kamen von Romantik und Spätromantik. Ist der Zugang zu Mozart also heute ein ganz anderer?
Bei mir hat es an erster Stelle damit zu tun, dass ich meine Karriere als Countertenor begonnen habe und schon von daher auf ältere Musik angewiesen war. Und dann kommt irgendwann die Lust, mit diesem Wissen über Barockmusik weiter in die Musikgeschichte vorzudringen.
2009 werde ich meine erste Rossini-Oper machen, das heißt, ich bin schon am Beginn des 19. Jahrhunderts angelangt. Aber das Interessante ist immer der Background. Auch bei Mozart war es der des Barock – er hat studiert auf der Basis des Lehrbuchs von Johann Joseph Fux. Für die Dirigenten, die von der anderen Seite kommen, ist es eigentlich schwieriger, auf den richtigen Mozart zu stoßen – die haben als Hintergrund Wagner...
Sie haben der Mozart-Aufführungspraxis heute neue Sichtweisen eröffnet. Vor allem was die Gestaltung der Arien und Rezitative anlangt. Stichwort: Tradition der Verzierungen.
Natürlich müssen Sänger erst einmal die Technik lernen. Aber dabei bleibt ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Das könnte Sie auch interessieren:
DVD-Kritik: Don Giovanni
Rezension: Telemanns Geduldiger Sokrates in Innsbruck
Rezension: Monteverdi-Zyklus in Berlin
CD-Kritik: Idomeneo
Hans Pfitzner ist durch Ingo Metzmachers Aufführung der Eichendorff-Kantate «Von deutscher Seele» (1921) mit ihrem völkisch dröhnenden Schluss «Fass das Steuer, lass das Zagen» am Nationalfeiertag wieder als unverbesserlicher Antisemit, Nazi-Sympathisant und Reaktionär ins Gerede gekommen. Die harfenumrauschte Elfen-Oper «Die Rose vom Liebesgarten» (1901) nötigt...
Cecilia Bartolis «Maria»-Album war, neben vielem anderen, ein Versprechen – ein Ausblick auf eine anstehende Neuerkundung des romantischen Belcanto-Repertoires, gestützt auf sorgfältig revidierte Notentexte, gespielt von einem Orchester mit historischen Instrumenten in einer gegenüber dem heutigen Standard deutlich tieferen Stimmung. Die Gesamtaufnahme von Bellinis...
Während der ganzen Aufführung steht die Bühne zentimetertief unter Wasser, dem Element von Leben und Tod. Kent Nagano hat seine Frackhose fast bis zum Knie hochgekrempelt, um den Applaus mit den Darstellern entgegenzunehmen. Er scheint sich über den Beifall fürs Regieteam, für die Sänger, allen voran Michael Volle als stimmgewaltiger Wozzeck, zu freuen. Das...
