Die Musik des Textes
Herr Jacobs, Sie haben sich vom Frühbarock in die Wiener Klassik vorgetastet. Bei den Mozart-Dirigenten alten Schlages, wie etwa Karl Böhm, war es eher umgekehrt, die kamen von Romantik und Spätromantik. Ist der Zugang zu Mozart also heute ein ganz anderer?
Bei mir hat es an erster Stelle damit zu tun, dass ich meine Karriere als Countertenor begonnen habe und schon von daher auf ältere Musik angewiesen war. Und dann kommt irgendwann die Lust, mit diesem Wissen über Barockmusik weiter in die Musikgeschichte vorzudringen.
2009 werde ich meine erste Rossini-Oper machen, das heißt, ich bin schon am Beginn des 19. Jahrhunderts angelangt. Aber das Interessante ist immer der Background. Auch bei Mozart war es der des Barock – er hat studiert auf der Basis des Lehrbuchs von Johann Joseph Fux. Für die Dirigenten, die von der anderen Seite kommen, ist es eigentlich schwieriger, auf den richtigen Mozart zu stoßen – die haben als Hintergrund Wagner...
Sie haben der Mozart-Aufführungspraxis heute neue Sichtweisen eröffnet. Vor allem was die Gestaltung der Arien und Rezitative anlangt. Stichwort: Tradition der Verzierungen.
Natürlich müssen Sänger erst einmal die Technik lernen. Aber dabei bleibt ...
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