Gefrorene Momente
Das Original ist Fragment geblieben. Unvollendeter Torso, Skizze, Entwurf. Und: schicksalhaft fehlgeschlagener Versuch eines Komponisten, eine geeignete Klangsprache und – als sein eigener Librettist – plausible dramaturgische Lösungen zu finden. Beinahe ein Jahrzehnt lang rang Claude Debussy mit dem Stoff, um schließlich, vom Krebs gezeichnet, die Waffen zu strecken.
Seine Kammeroper «Usher» nach Edgar Allan Poes fantastischer Erzählung «The Fall of the House of Usher», geplant als Pendant zu «Pelléas et Mélisande», wurde nicht fertig; erst 1977 kam das Werk in der behutsamen Orchestrierung durch Juan Allende-Blin an der Deutschen Oper Berlin erstmals auf die Bühne. Um dann relativ sang- und klanglos erneut in der Schublade zu verschwinden.
Im Alten Orchesterprobensaal der Staatsoper Unter den Linden ist «Usher» nun wiederbelebt worden, als Auftragswerk des Berliner Hauses und der Folkoperan Stockholm, in Kooperation mit dem Muziektheater Transparant. Annelies Van Parys hat das Stück fortgeschrieben und übermalt. Hat ihre zart linierte, fein instrumentierte, mit Elementen der Spektralmusik angereicherte Klangsprache in Debussys Tonfarbenwelt hineinfließen lassen, ohne an der ...
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Opernwelt Dezember 2018
Rubrik: Panorama, Seite 32
von Jürgen Otten
Das Stück hat Hochkonjunktur, zumindest in der Schweiz. An drei Bühnen des Landes mit unterschiedlicher Tradition und Kapazität kam Mozarts «Così fan tutte» heraus. Mit der Opéra de Lausanne wandte sich ein kleines, ungemein regsames Haus dem Stück zu. Das Vierspartentheater in Bern, das konsequent auf den Ensemblegedanken setzt, sorgte mit seiner Saisoneröffnung...
Die Choreografin Pina Bausch ist lange nach dem Ende ihrer Karriere als Tänzerin noch zweimal als Schauspielerin aufgetreten: in Boris Blachers Gombrowicz-Oper «Yvonne, Prinzessin von Burgund» als stumme Titelfigur, in Fellinis «Schiff der Träume» als blinde Prinzessin. Die Lautlose kann sich nicht mitteilen; zum Nicht-Sehen-Können gehören die Hilflosigkeit wie das...
Das Werk ist monströs, fast 2000 Seiten lang. Brecht rühmte es als «Triumph des neuen Typs eingreifender Dichtung» – zu Recht: Mit seinem vierbändigen Revolutionsroman «November 1918» schuf Alfred Döblin ein Totalgemälde der deutschen Gesellschaft, darin sich der Konflikt zwischen radikal-aufrührerischem Marxismus und mystischem Christentum ebenso abbildet wie das...
