Gefallene Engel

Zwei Romane erkunden die scheinbar schöne Welt der Barockoper – und ihre Abgründe

Sie wurden geliebt, sie wurden gefeiert. Sie erhielten die denkbar höchsten Gagen, sie waren die Helden der Höfe. In ihnen sah man das Ideal der Reinheit bewahrt – nota bene: die Reinheit der Kunst. Und jeder, der sein Herz an die Bühnenwerke des Barock verloren hat, kennt ihre berühmtesten Vertreter: Farinelli, Senesino, Caffarelli, Carestini, Nicolini. Doch nur wenige wollen (oder können) sich daran erinnern, was es bedeutete, ein Kastrat zu sein – ein Engel wider Willen. Es bedeutete unfassbaren Schmerz.

Und im schlimmsten Fall, dass dieser Schmerz nicht gelindert wurde durch den Applaus. Dass er vergeblich war.

Matteo, dem Protagonisten in Daria Wilkes Roman «Die Hyazinthenstimme», ergeht es am Ende zum Glück nicht so. Seine Stimme betört die Massen, als er im Theater an der Wien den Titelhelden in Francesco Cavallis «Eliogabalo» verkörpert, mit jener himmlisch hohen Sopranstimme, die mit ihrer gläsernen Schönheit Risse in die Wände zeichnet, und deren zärtliche Fülle das Auditorium in ungläubiges Staunen versetzt.

Es muss eine kundige Autorin sein, die einen solchen Augenblick so beschreiben kann: «Dann holte Matteo tief Luft und machte, was er nicht tun sollte – er machte ...

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Opernwelt Januar 2020
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 27
von Jürgen Otten