Bezaubern, berühren, bewegen
Während Händel- und Vivaldi-Recitals boomen, hat die noch immer unterschätzte französische Barockoper auch hier das Nachsehen. Ihr theatrales Gesamtkunstwerk aus Aktion, Gesang und Tanz eignet sich weniger zur vokalen Selbstdarstellung als die italienische Seria mit ihren virtuosen Abgangsarien, und für den gegenwärtige Counter-Hype liefert sie kein Stimmfutter.
Dabei ist es gerade die Vielfalt ihres poetisch-deklamatorischen Gesangs – pathetische Monologe, melancholische Klagen und tänzerisch beschwingte Airs –, mit der sie sich von der im übrigen Europa dominierenden Seria abhebt. Zwei neue Konzeptalben erkunden jetzt ihre facettenreiche Vielfalt.
Reinoud van Mechelen widmet die erste Folge seines auf drei CDs geplanten Überblicks über die Haute-Contre-Stimme Louis Gaulard Dumesny, jenem von Lully ausgebildeten Spätberufenen, der ursprünglich Koch und dann von 1676 bis 1699 Star der Pariser Oper war. Im Unterschied zum Countertenor, der im Falsett singt, handelt es sich beim Haute-Contre um einen hohen Tenor, der mit der Bruststimme oder der Voix mixte mühelos das hohe C erreichen konnte, auch wenn Lully es selten forderte. Mechelens überlegt komponiertes Programm gibt einen ...
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Opernwelt Januar 2020
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 22
von Uwe Schweikert
Die heilige Jungfrau schweigt. Überlebensgroß, wie ein Mahnmal, thront sie als festlich gekleidete Puppe in der Mitte des leeren weißen, von Bernd Purkrabek sensibel ausgeleuchteten Raums, ein flammend rotes, dornenumkränztes Herz in der Linken, den bedeutsamen Hochzeitsschleier in der Rechten. Neben ihr, im Wasser, liegt eine Nackte, vermutlich entstammt sie dem...
JUBILARE
Nicholas McGegan erhielt seine Ausbildung in Cambridge und Oxford, anschließend lehrte er am Royal College in London. Von 1991-2011 prägte er als Künstlerischer Leiter das Profil der Händel-Festspiele Göttingen. McGegan stand am Pult der Philharmoniker von New York, Los Angeles und Hongkong, der Symphonieorchester von Chicago, Milwaukee, St. Louis,...
Hans Falladas 1937 veröffentlichter Roman «Wolf unter Wölfen» spielt im Inflationsjahr 1923. Ein Buch der Unruhe, das in vielen Strängen vom Chaos jener Zeit erzählt. John von Düffel hat den Stoff zu einem Libretto verdichtet, Søren Nils Eichberg im Auftrag des Koblenzer Theaters die Musik dazu geschrieben. Vor zwei Jahren wurde am gleichen Ort Eichbergs...
