Bezaubern, berühren, bewegen
Während Händel- und Vivaldi-Recitals boomen, hat die noch immer unterschätzte französische Barockoper auch hier das Nachsehen. Ihr theatrales Gesamtkunstwerk aus Aktion, Gesang und Tanz eignet sich weniger zur vokalen Selbstdarstellung als die italienische Seria mit ihren virtuosen Abgangsarien, und für den gegenwärtige Counter-Hype liefert sie kein Stimmfutter.
Dabei ist es gerade die Vielfalt ihres poetisch-deklamatorischen Gesangs – pathetische Monologe, melancholische Klagen und tänzerisch beschwingte Airs –, mit der sie sich von der im übrigen Europa dominierenden Seria abhebt. Zwei neue Konzeptalben erkunden jetzt ihre facettenreiche Vielfalt.
Reinoud van Mechelen widmet die erste Folge seines auf drei CDs geplanten Überblicks über die Haute-Contre-Stimme Louis Gaulard Dumesny, jenem von Lully ausgebildeten Spätberufenen, der ursprünglich Koch und dann von 1676 bis 1699 Star der Pariser Oper war. Im Unterschied zum Countertenor, der im Falsett singt, handelt es sich beim Haute-Contre um einen hohen Tenor, der mit der Bruststimme oder der Voix mixte mühelos das hohe C erreichen konnte, auch wenn Lully es selten forderte. Mechelens überlegt komponiertes Programm gibt einen ...
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Opernwelt Januar 2020
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 22
von Uwe Schweikert
«Toujours à l’improviste» – immer aus dem Augenblick heraus: So seien ihm die einzelnen Szenen von «La Damnation de Faust» während einer Konzertreise durchs alte Europa erschienen. «Ich suchte nicht nach Ideen, ich ließ sie zu mir kommen, und sie stellten sich ein, in völlig unerwarteter Reihenfolge.» Erst in einem letzten Arbeitsschritt habe er das Heterogene zu...
Wenn eine Welt, in der Adolf Hitler geradewegs mit Gott identisch ist, auf der Opernbühne reflektiert wird, dann muss sich «Wotan» gar unheilig imperfekt und respektlos auf «Truthahn» reimen. Dann erheben sich rechte Arme nicht nur einfach so immer wieder zum deutschen Gruß stramm himmelwärts. Derlei Gesten aus dunkeldeutscher Zeit werden vom Orchester allzu gern...
Dass der Wagner-Novize Valentin Schwarz 2020 in Bayreuth den «Ring des Nibelungen» inszenieren soll, war ebenso eine Überraschung wie die Nominierung des musikalischen Leiters Pietari Inkinen. Der Finne, geboren 1980, hat den «Ring» immerhin schon dirigiert, 2013 im australischen Melbourne. Eine Vorstellung von Künftigem bietet nun eine CD mit dem gekürzten...
