Bezaubern, berühren, bewegen
Während Händel- und Vivaldi-Recitals boomen, hat die noch immer unterschätzte französische Barockoper auch hier das Nachsehen. Ihr theatrales Gesamtkunstwerk aus Aktion, Gesang und Tanz eignet sich weniger zur vokalen Selbstdarstellung als die italienische Seria mit ihren virtuosen Abgangsarien, und für den gegenwärtige Counter-Hype liefert sie kein Stimmfutter.
Dabei ist es gerade die Vielfalt ihres poetisch-deklamatorischen Gesangs – pathetische Monologe, melancholische Klagen und tänzerisch beschwingte Airs –, mit der sie sich von der im übrigen Europa dominierenden Seria abhebt. Zwei neue Konzeptalben erkunden jetzt ihre facettenreiche Vielfalt.
Reinoud van Mechelen widmet die erste Folge seines auf drei CDs geplanten Überblicks über die Haute-Contre-Stimme Louis Gaulard Dumesny, jenem von Lully ausgebildeten Spätberufenen, der ursprünglich Koch und dann von 1676 bis 1699 Star der Pariser Oper war. Im Unterschied zum Countertenor, der im Falsett singt, handelt es sich beim Haute-Contre um einen hohen Tenor, der mit der Bruststimme oder der Voix mixte mühelos das hohe C erreichen konnte, auch wenn Lully es selten forderte. Mechelens überlegt komponiertes Programm gibt einen ...
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Opernwelt Januar 2020
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 22
von Uwe Schweikert
Als im Jahr 1876 das «Rheingold» zum ersten Mal in Bayreuth erklang, ließ Richard Wagner das tiefe Es des Beginns von einer Orgel unterstützen. Im Festspielhaus gibt es sie heute nicht mehr, auch in der Partitur ist sie nicht notiert. Wahrscheinlich waren Wagner die Kontrabässe auf den zeitgenössischen Darmsaiten schlicht zu leise, wie er etwa auch die Bratschen...
Der Monolog aller Monologe, er kommt schon kurz nach Beginn – nicht wie bei Shakespeare erst im dritten Akt. Als wollte Brett Dean die größte Herausforderung gleich am Anfang in Angriff nehmen. Ein Befreiungsschlag? Nun ja. Was Hamlet da murmelt, ist allenfalls ein verstümmelter Monolog, mehr lakonische Feststellung als Frage: « ... or not to be». Als müsse er zur...
Die Bootsfahrt den Dschungelfluss hinauf, der kindlich-vorfreudige Divo, das linkische Betreten der Bühne, die spontane Arie, dort, im Opernhaus von Manaus, wo einst Caruso gesungen haben soll: Mit dem verzitterten, bislang unbekannten Privatvideo verschießt der Film schon in den ersten Minuten sein wertvollstes Pulver. Neues erzählt «Pavarotti» sonst kaum. Die...
