Gebet der Lebenden und der Toten
Der Musikwissenschaftler Richard Taruskin hat Nikolai Rimsky-Korsakows vorletzte, ein Jahr vor seinem Tod 1907 uraufgeführte Oper «Die Legende von der unsichtbaren Stadt Kitesch und der Jungfrau Fewronija» als «eine Art Testament» bezeichnet. Dmitri Tcherniakov erlöst das Werk aus der verbiegenden Heiligsprechung eines russischen «Parsifal» und holt es in seiner grandiosen Amsterdamer Inszenierung auf den Boden der Wirklichkeit zurück.
Was wir sehen, ist glutvolles Theater, das ganz nah an der Handlung des Librettos bleibt, sie aber in reale Bilder übersetzt und dennoch die Poesie des inneren Geschehens bewahrt. Rimsky-Korsakow hat in diesem Gipfel- und Endpunkt der russischen Operngeschichte des 19. Jahrhunderts zwei unabhängige Stoffquellen miteinander verbunden: den Tatareneinfall, der zur Vernichtung der Stadt Kitesch führt und die Legende von der den Tod überdauernden Liebe der Bauerntochter Fewronija zum Fürsten Wsewolod. Während das historische Sujet des Tatareneinfalls mit seiner grausamen Realität die beiden Binnenakte beherrscht, steht Fewronija als Sinnsucherin eines naturmystischen Pantheismus im Zentrum der Außenakte. Ihre Gebete bewirken ein Wunder: Der aufziehende ...
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Opernwelt April 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Uwe Schweikert und Boris Kehrmann
«Andrea Chénier», Umberto Giordanos Revolutionsreißer im Verismo-Stil, enthält dramaturgisch keine Elemente, die ihn für eine Aufführung auf einer Seebühne prädestinieren. Desto bemerkenswerter ist das Gelingen der letztjährigen Bregenzer Produktion von Keith Warner (Regie) und David Fielding (Bühne), die ein Massenspektakel von hohem Schauwert und zugleich einigem...
Es war eine Zufallsbegegnung, die Henri Dutilleux und Renée Fleming in einem Studio von Radio France zusammenführte und die Idee einer Auftragsarbeit zeitigte. Geraume Zeit später wurde die Sängerin für die Uraufführung von «Le Temps l’horloge» eingeladen, in der ersten Version drei Lieder, die im Dezember 2006 unter James Levine uraufgeführt wurden. Die Endfassung...
Sie war schon immer ein bisschen anders als die anderen. Hat sich um Erwartungen und Etikette nie geschert, wenn sie mit ihrer Alte-Musik-Kapelle im Halbkreis rockte. Und dabei Barockharfe, Psalter, Zink und Theorbe auf Forschungsreise schickte, um alles Mögliche zu suchen, um Neuland zu entdecken, nicht zuletzt für ihre CDs. Bei Monteverdi hat sie ein «Teatro...
