Sinn und Sinnlichkeit
Es war eine Zufallsbegegnung, die Henri Dutilleux und Renée Fleming in einem Studio von Radio France zusammenführte und die Idee einer Auftragsarbeit zeitigte. Geraume Zeit später wurde die Sängerin für die Uraufführung von «Le Temps l’horloge» eingeladen, in der ersten Version drei Lieder, die im Dezember 2006 unter James Levine uraufgeführt wurden. Die Endfassung – nun vier Lieder und ein Zwischenspiel – wurden am 7. Mai 2009 mit dem Orchestre National de France unter Seiji Ozawa aufgeführt und mitgeschnitten.
Der Zyklus ist eine musikalische Meditation über die Zeit: über die, welche «in der Uhr verging» und die andere, welche «stillschweigend in uns vergeht». Die ersten drei Texte stammen von den Poeten Jean Tardieu und Robert Desnos, der vierte von Charles Baudelaire: eine Hymne, stets trunken zu sein, um die Last der Zeit ertragen zu können. Es sind Gedankenspiele aus der Welt der Träume, deren fantastischen, surrealen Imaginationen Renée Fleming, stimmlich in glänzender Form, mit seismografischem Sensorium nachspürt.
Auf Wunsch des Komponisten hat sie auch zwei Sonette nach Texten von Jean Cassou gesungen: Das zweite, «J’ai rêvé que je vous portais entre mes bras», ein ...
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Opernwelt April 2012
Rubrik: Medien | CDs, DVDs, Bücher, Seite 16
von Jürgen Kesting
Am Dortmunder Opernhaus hat der neue Intendant Jens-Daniel Herzog kein leichtes Erbe angetreten: Die ohnehin katastrophal schlechte Auslastung stürzte in seiner Vorbereitungszeit, in der das Haus nach Christine Mielitz’ vorzeitigem Abgang ohne Führung war, ins Bodenlose ab. Das Dortmunder Publikum schien das Interesse an seinem Opernhaus gänzlich verloren zu haben....
Eine Heldin der sozialen Verantwortung. Elisabeth von Valois ist Don Carlo versprochen. Dennoch zögert sie kaum, dem überraschenden Werben seines königlichen Vaters Philipp II. nachzugeben. Sie hat das hungernde französische Volk gesehen und tut alles, ihm endlich den Frieden zu bescheren. Als der spanische Gesandte sie fortgeleitet, kann sie die Augen nicht von...
«Andrea Chénier», Umberto Giordanos Revolutionsreißer im Verismo-Stil, enthält dramaturgisch keine Elemente, die ihn für eine Aufführung auf einer Seebühne prädestinieren. Desto bemerkenswerter ist das Gelingen der letztjährigen Bregenzer Produktion von Keith Warner (Regie) und David Fielding (Bühne), die ein Massenspektakel von hohem Schauwert und zugleich einigem...
