Schau-Effekte und tiefere Bedeutung
«Andrea Chénier», Umberto Giordanos Revolutionsreißer im Verismo-Stil, enthält dramaturgisch keine Elemente, die ihn für eine Aufführung auf einer Seebühne prädestinieren. Desto bemerkenswerter ist das Gelingen der letztjährigen Bregenzer Produktion von Keith Warner (Regie) und David Fielding (Bühne), die ein Massenspektakel von hohem Schauwert und zugleich einigem Tiefgang geschaffen haben, das in der Aufführungsgeschichte des Werkes einen herausragenden Platz behauptet.
Denn selten wurde diese Oper, die man zumal in Deutschland vom Start weg mit einigem Naserümpfen zur Kenntnis genommen hat, in ihrer szenischen wie musikalischen Substanz so ernst genommen. Die mehrstöckige Szenerie wird bestimmt von einer riesigen dreidimensionalen Skulptur nach Jacques-Louis Davids Gemälde des ermordeten Revolutionsführers Marat. Auf dieser simultanen Bühne läuft ein nur gelegentlich zur Ruhe kommender, beinahe filmgemäßer grellbunter Bilderreigen ab, an dem neben Chor und Solisten auch zahlreiche Statisten und Artisten teilhaben. Bewegte Tableaus lassen die Zeit der Revolution lebendig werden.
Den starken Bildern kann man sich nicht entziehen, im Heimkino wird man dabei noch mehr Details ...
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Opernwelt April 2012
Rubrik: Medien | CDs, DVDs, Bücher, Seite 24
von Ekkehard Pluta
Von Wien bis Lyon und Monte Carlo – Kurzopernabende haben im Moment Konjunktur. Lübeck schließt sich dem Trend in dieser Saison gleich zweimal an: Nach «La vida breve» und «Cavalleria rusticana» jetzt (in Koproduktion mit dem «Festival della Valle d’Itria» in Martina Franca) mit den beiden Rarissima «Der Ring des Polykrates» von Erich Wolfgang Korngold und Ernst...
Wer sämtliche sieben Todsünden benennen kann, kriegt einen Schnaps! Diese Spielregel wäre perfekt als Anleitung für einen alkoholfreien Abend. Denn: Keiner kann es. (Erhöhter Schwierigkeitsgrad: Man sage sie auf Lateinisch.) Dies feststellend, hat man den Sprengstoff, der in Brecht/Weills letzter Zusammenarbeit von 1933 noch immer beschlossen liegt, präzise am...
Ohne den notorischen BIC-Stift, der ihm oft als Dirigentenstab dient und irgendwie zu seinem Markenzeichen wurde, sondern mit bloßen Händen formend, schraffiert René Jacobs in vertikal wippenden Arm- und Körperbewegungen Glucks «Telemaco»-Musik sozusagen in den Raum. Wobei das Ganze, will man den Vergleich weiterspinnen, eher auf eine zart aquarellierte Zeichnung...
