Ganzkörperpoeten
Wo bist du, mein gelobtes Land, /Gesucht, geahnt und nie gekannt? Ich wandle still und wenig froh, / Und immer fragt der Seufzer: wo? / Es bringt die Luft den Hauch zurück: ‹Da, wo du nicht bist, dort ist das Glück!› So heißt es, unter drängender Achtelbegleitung, in Franz Schuberts «Der Wanderer» – ein Lied, so vergeblich nach Licht drängend wie ein nebelverhangener Novembertag. Für Nico and the Navigators, seit den frühen Nullerjahren Innovatoren der freien Theaterszene, markierte es im Jahr 2006 den Aufbruch in die Welt des Musiktheaters.
Unter dem Titel «Wo du nicht bist» machte sich die Kompanie auf die Suche nach dem Glück und verwob Schuberts Lieder für die Bregenzer Festspiele zu einer postdramatisch-poetischen Collage aus Dialog, Bewegung und Musik. Die Instrumentierung war eigenwillig: Die österreichische Musicbanda Franui arrangierte das Ganze für Violine, Hackbrett, Zither, Saxofon, Posaune und Tuba.
«Von Anfang an wurden unsere Arbeiten für ihre Musikalität gelobt, die Figuren folgten einer eigenen, inneren Melodie», erzählt Nicola Hümpel, die das Ensemble seit 1998 gemeinsam mit Bühnenbildner Oliver Proske leitet. Schon damals war Musik fester Bestandteil bei den ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Dezember 2023
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Anna Schors
Vielleicht war es Zufall, vielleicht sublime Dramaturgie. Zwei Aufführungen des Teatro Real an aufeinander folgenden Tagen boten in Madrid Variationen eines Opernurstoffs: eine Frau zwischen zwei Männern. Die Uraufführung «La Regenta» von Marisa Manchado Torres fand nicht im Haupthaus statt, sondern in einem Saal des 2006 eröffneten Kulturzentrums Matadero. Der...
Was Wahrheit sei? Wirklichkeit? Nicht erst Friedrich Nietzsche war felsenfest davon überzeugt, dass es keine Fakten gebe, sondern nur Interpretationen. Auch andere Denker, Dichter wie Philosophen, hatten ihre Zweifel an der normativen Kraft des Realen. Realität, das war immer auch etwas, das sich ein jeder für seine eigenen Zwecke zurechtzimmerte. Was das bedeutet,...
Verdis «La traviata» ist der Triumph einer Figur. Violetta Valéry ist die emotional schillerndste, vokal komplexeste Sopranpartie des Komponisten. Wie in keiner zweiten seiner Opern konzentriert sich das Interesse ausschließlich auf die Edelkurtisane. Wer sie erfolgreich verkörpern will, muss drei Stimmen in einer besitzen – nämlich gleichermaßen über stupende...
