Ganze Arbeit
Zunächst einmal: Diese «Lucia» ist so vollständig wie möglich. Kirill Petrenko lässt sich von keiner sogenannten Tradition irritieren, die mit dem Notentext so leichtfertig umspringt, als hätte Donizetti dramaturgische Nachhilfe nötig. Striche gibt es also nicht. Das Stück wird dadurch klarer und wirkt – trotz der längeren Spieldauer – kürzer als bei vielen Repertoire-Bemühungen. Das heißt zum Beispiel, dass Enricos Auftritt während der Wahnsinnsszene von Lucia stattfinden kann. Dieser Auftritt macht die Situation erst vollständig: Der Bruder begreift, was er angerichtet hat.
Lucia, die Schwester, leidet nicht nur unter seiner skrupellosen Machtpolitik, sie ist auch nicht einfach traumatisiert, sondern sie zerbricht vor aller Augen und Ohren. Wahnsinn ist dafür nur ein Wort, eine Chiffre. Der musikalische Sprung vom rezitativisch durchfurchten Cantabile-Abschnitt direkt aufs langsame Walzertempo der Cabaletta schafft eine Diven-Nummer, die Donizetti so nicht wollte, und er zerstört neben der dramatischen Glaubwürdigkeit auch die Formproportion der großangelegten «Scena ed Aria».
Gleich danach findet sich in der Partitur eine kleine Szene, in der Raimondo, Lucias Erzieher, mal ...
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Opernwelt März 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Stephan Mösch
Rossinis Tenorpartien galten lange Zeit als beinahe unsingbar: sehr hoch und überaus virtuos, mit einer an Verdi oder Puccini geschulten Stimme kaum oder gar nicht zu realisieren und auch für typische Mozartsänger weitgehend unzugänglich. Zu den spannenden Entwicklungen im Operngesang der letzten Jahrzehnte gehören die vielen ambitionierten Versuche von Tenören wie...
ML = Musikalische Leitung
I = Inszenierung
B = Bühnenbild
K = Kostüme
C = Chor
S = Solisten
P = Premiere
AP = A-Premiere
BP = B-Premiere
UA = Uraufführung
WA = Wiederaufnahme
Deutschland
Aachen
Tel. 0241/478 42 44+0180/500 34 64
Fax 0241/478 42 01
www.theater-aachen.de
– Der Freischütz: 1., 7., 15., 24.
– Luisa Miller: 5., 26.
– West Side Story: 13., 31.
– Janácek, Jenufa: 22....
Kaum ein Monat vergeht, ohne dass uns das in Venedig ansässige Centre de Musique Romantique Française mit neuen Funden überrascht. Die jüngsten Opernausgrabungen aus dem Palazzetto Bru Zane: «La Caravane du Caire» von André-Ernest-Modeste Grétry (1741-1813), «Renaud» von Antonio Sacchini (1730-1786) und «Les Bayadères» von Charles-Simon Catel (1773-1830). Die Werke...
