Ganz schön ratlos
Mit dem Ende des Ersten Weltkriegs war die alte Ordnung Europas passé. Es folgten Jahre der sozialen und politischen Polarisierung. Auch über die Zukunft der Künste wurde erbittert gestritten. Nicht nur in der Oper hatte der Um- und Aufbruch natürlich schon vorher begonnen. Gibt manches Werk, damals uraufgeführt und heute wieder in den Blick genommen, Aufschluss über unsere Zeit? Stücke wie Hans Pfitzners «Palestrina», eine von herben Dissonanzen durchsetzte Auseinandersetzung mit dem Neuen.
Oder «Die Gezeichneten» von Franz Schreker, eine klangmächtig zerklüftete Dystopie der Versehrung, Verdrängung, sexueller Gewalt. 1918 | 2018: Beziehungen, Kontraste, Fluchtlinien im Jahrhundert der musiktheatralischen Moderne
Neunzehnhundertachtzehn, die Zeitenscheide. Vorher war die «Welt von gestern», wie späterhin die griffige Formel des österreichischen Romanciers und Historikers Stefan Zweig lautete. Das «Gestern» gewann in manchen Augen einen unwiederbringlichen Zug von Adel, Noblesse, Grandeur. Der nostalgisch gefärbten Beschwörung des Vergangenen in den Romanen von Joseph Roth standen die nüchternen Befunde Robert Musils und Hermann Brochs entgegen, denen die Aporien und Hohlheiten ...
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59. Jahrgang, Jahrbuch 2018
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Jürgen Otten, Albrecht Thiemann (V. i. S. d. P.)
Redaktionsbü...
Trompeten erschallen mit mutigem Ton und gehen, während daß verwandelt wird, in ein wildes Kriegsgetümmel über, das Orchester fällt ein bei offener Szene und wird von kriegerischen Instrumenten hinter der Szene begleitet.» Keine Frage: Friedrich Schiller wusste ziemlich genau, was er hören wollte zwischen der fünften und sechsten Szene des zweiten Akts seiner...
Geschlossene Gesellschaft, ein Zirkel nur für Eingeweihte. Nichts jedenfalls für Dilettanten und den Plebs. Auch weil diese Versuchsanordnung im Gonzaga-Palast weniger Kulinarik als intellektuelle Befriedigung versprach. Ein neues Genre galt es schließlich in Mantua zu beobachten und zu feiern, das sich am 24. Februar 1607 im «L’Orfeo» materialisierte und...
