Geschändet
Der Mond über Judäa, er leuchtet nicht. Nicht mal ein Blinzeln ringt er sich ab. Aber wie auch? Das Reich des Herodes liegt in einer hässlichen Unterweltstadt, am Rand der Zivilisation. Der Tetrarch herrscht in diesem Sündenpfuhl wie sein mythischer Vorfahre Pluton, allerdings mit dem Unterschied, dass nicht die Totengeister um ihn herumkriechen, sondern skurril kostümierte Menschenmonster – Abschaum einer Gesellschaft, deren größte Vergnügungen Vergewaltigung, Folterung und Mord sind.
Noch während der schwerverliebte und -bewaffnete, in einer schwarzen Kampfmontur steckende Narraboth (Tansel Akzeybek) mit glühender Emphase die Schönheit der Prinzessin Salome besingt, werden blutverschmierte, nackte (Puppen-)Leichen aus dem (durch eine Fensterfront begrenzten, in die massiven Quader hineingeschlagenen) Partyraum heraus und eine eiserne Treppe hinab auf ein felsiges Quadrat getragen, wo sie ein dreiköpfiges, in polyesterdicke gelbe Sicherheitsanzüge gewandetes Entsorgungskommando in Empfang nimmt und in eine Grube schüttet. Humanabfall, mit einem Pulver bestreut, das den abscheulichen Verwesungsgeruch zumindest partiell eindämmen soll. Lydia Steier begnügt sich bei ihrem Debüt an ...
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Opernwelt 12 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Jürgen Otten
Beim König war Jean-Baptiste Lully in Ungnade gefallen. Die Beteiligung an Orgien mit hochrangigen Mitgliedern des Hofs, dazu die Verführung eines Pagen: Das war denn doch zu viel für Ludwig XIV., der unter dem Einfluss der frommen Madame de Maintenon zunehmend auf die Sitten achtete. Doch der intrigenbegabte Komponist gab nicht auf, auch wenn er dafür erstmal...
An Ressentiments herrscht in diesem 1814 an der Mailänder Scala aus der Taufe gehobenen Werk wirklich kein Mangel: Rossinis «Il turco in Italia». Der Sultan ist ein zwar charmanter, aber unerbittlicher Despot; die vermeintlich untreue Geliebte hat er bereits zum Tod verurteilt und Frauen, derer er überdrüssig wurde, flugs verkauft. Italienerinnen wiederum haben es...
Das Stück ist eine Sensation, in mehr als einer Hinsicht. 1860 an der Pariser Opé-ra-Comique uraufgeführt, danach in der Schublade verschwunden, 2018 in Strasbourg wieder ans Licht gehoben – in «Barkouf» erzählen Jacques Offenbach und sein Librettist Eugène Scribe die absurde Geschichte eines Hundes, der von einem der Aufmüpfigkeit seines Volkes überdrüssigen...
