Heilige Stuhlprobe
Will man im Internet flugs «Komplexität» bebildern, so finden gerne riesige vollgekritzelte Tafeln Verwendung. Ein bisschen schwingt auch immer traurig die «Einsamkeit des Genies» mit, wird man solcher Kreidekrümel auf grünem Grund gewordener – meist mathematischer – Gedankenströme ansichtig (Cineasten denken in diesem Moment vielleicht an den Film «A Beautiful Mind» von 2001, in dem es zu derlei deduzierenden Exzessen kommt).
Eine solche übergroße – an der Oper Frankfurt jetzt ins grotesk Riesenhafte gezogene – Tafel voller Hieroglyphen füllt bereits als Projektion vor Beginn die gesamte Bühne. Bühnenbildner Kaspar Glarner erinnert damit an einen der Grundkonflikte von Richard Wagners «Die Meistersinger von Nürnberg»: die Dialektik von (mahnend eingeforderter) Regelkonformität und gewähren lassender Innovationsoffenheit. Wagner hat sich in diese furiose «Operette mit ‹Tristan›-Tiefgang» auf zweierlei Weise mit hineingeschrieben. Er erscheint aufgespalten zwischen Neuling und Rebell Walther von Stolzing, dessen Kopf neutönende Melodien und Texte zur gleichen Zeit entspringen, und Hans Sachs, dem legendären Schuster-Dichter, der einerseits die Regeln kennt, diese jedoch zu ...
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Opernwelt 12 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Arno Lücker
Brahms lieben? Auf Françoise Sagans klassische Frage gibt es seit jeher, was sein Vokalschaffen betrifft, die klassische Antwort: Nein danke, das wäre zu viel verlangt! Zwar werden seine Symphonien häufiger aufgeführt als die von Schubert und Schumann und auch die Kammermusikwerke erfreuen sich höchster Wertschätzung. Doch, was Brahms für die menschliche Stimme...
All das Neue, was die Musikstadt Wien seit Beginn dieser Saison durchweht, hat mit dem Anfangen noch gar nicht aufgehört: Die Intendanzwechsel im Theater an der Wien sowie an der Volksoper haben erst eine kleine Handvoll an Produktionen nach sich gezogen, die grosso modo beim Publikum gut bis sehr gut angekommen sind – dazu gleich mehr. Im Haus am Ring hingegen hat...
Wenn die angelsächsische Hausfrau zum Staubsaugen schreitet, verkündet sie, sie müsse jetzt «hoovern». Was nicht unbedingt mit einem Gerät aus dem Hause Hoover zu geschehen hat. Gewisse Markennamen sind zum Synonym für einen ganzen Tätigkeitsbereich geworden, auch in der Kunst. So steht etwa der Name «Picasso» im Volksmund ganz allgemein für «abstrakte Malerei»....
