Ganz schön naiv
Markus Lüpertz ist ein Bildkünstler mit unverkennbarer Handschrift und ein Original mit tiefer Liebe zum Musiktheater. Damit hat er schon einmal mehr Qualitäten versammelt als das Gros der aktuell angesagten Moderegisseure. Freilich ist damit allein noch keine Spitzenklasse garantiert, und auch dieses «Rheingold» lässt mindestens hinsichtlich der Personenführung Fragen offen. Da macht sich der Meister gar nichts daraus, Wagners Personal fast durchweg rampenparallel agieren zu lassen, und auch ges -tisch-mimische Feinheiten sind weniger angesagt.
Doch gerade so – die Bühnenwelt kann paradox sein – entfaltet sich ein lebhaftes Spiel symbolischer Verkürzungen und Verdichtungen. Güldene Flügelhelme für die Götterwelt wie anno dunnemals; Riesen, die auf klobigen Kothurnen und in Holzfällerkluft mit kindskopfgroßen Gürtelschnallen hereinstapfen; Alberichs Riesenwurm- und Kröte-Metamorphosen in puppentheatralischer Direktheit und die Regenbogenbrücke im Finale als kreischend bunter Stofflappen über Fasolts mannshohem, polternd von der Seite hereingerolltem Kopf … Natürlich steckt in solch lockerer Kinder-Naivität immer auch ein Stück hintergründiger Ironie; doch die demonstrative ...
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Opernwelt Mai 2026
Rubrik: Panorama, Seite 62
von Gerald Felber
Leise rieselt der Schwan. Natürlich nicht der ganze, das wäre doch ein bisschen zu viel des Gefieders. Um das mit satten Klängen und bass erstaunten Ausrufen beschworene «Wunder» in ein triftiges Bild zu fassen, genügen einzelne Federn des sagenumwobenen Tiers, die nun von der Decke des Festspielhauses in Baden-Baden sanft in den Saal hinabschweben, derweil der...
Komplexität
Leicht hat sie es sich und anderen eigentlich nie gemacht. Kunst, das war und ist für Andrea Breth stets mehr gewesen als ein ästhetisches Vergnügen. Kunst bedeutet die Auseinandersetzung mit der Psyche der Figuren, die darin vorkommen, mit ihren tiefliegenden Wünschen und Ängsten. Allein deswegen ist es interessant zu sehen, was die Regisseurin nun mit...
Nicola Porpora ist vor allem als Gesanglehrer zweier weltberühmter Kastraten, Cafarelli und Farinelli, in Erinnerung geblieben. Für sie schrieb er die Partien des Ulisse und des Aci im «Polifemo», seiner bekanntesten Oper, die 1735 in der mit Händels Opernakademie konkurrierenden Londoner Adelsoper zur Uraufführung kam. Mit dem begnadeten Melodiker und...
