Editorial Opernwelt 5/26
Als der Würfel gefallen war, hatte er keine Wahl mehr. Alle Türen zu, keine Optionen, nirgends. Und wer weiß, ob nicht Markus Hinterhäuser in diesem Moment, als ihm klar wurde, dass er nicht länger Intendant der Salzburger Festspiele bleiben würde, Wotans Satz in den Sinn gelangte: «Nur eines noch will ich – das Ende.
» Andere wiederum, die dem gestürzten König von der Salzach aus mehr oder minder nachvollziehbaren Gründen vermutlich keine einzige Träne nachweinen, werden in der gleichen Sekunde an den «Rosenkavalier» gedacht haben, an jene bitter-spöttische Sentenz der Feldmarschallin, nachdem sich Baron Ochs «unter Zeremoniell» aus ihren Gemächern verabschiedet hat: «Da geht er hin, der aufgeblasene, schlechte Kerl und kriegt das hübsche, jung Ding und einen Pinkel Geld dazu.»
Wie hoch die Summe ist, die auf Hinterhäusers Konto landet, ist unbekannt; darüber wird in solchen Fällen stets höfliches Stillschweigen vereinbart. Grämen muss sich der geschasste Intendant indes kaum. Die Abfindung wird eine erkleckliche Höhe haben (sein Ende März mit sofortiger Wirkung aufgelöster Vertrag lief bis 2031), und sein Netzwerk ist so dicht gewebt, dass er irgendwo in dieser bunt schimmernden ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Mai 2026
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Jürgen Otten
Man hört es und ist sogleich mittendrin in Novalis’ «Hymnen an die Nacht» – auf jenem tiefen, von dunklen Gedanken ummantelten Seelenschmerzfeld, das sich in den Versen ausbreitet, die Georg Philipp Friedrich von Hardenberg (wie der romantischste aller romantischen Dichter mit bürgerlichem Namen hieß) nach dem viel zu frühen Tod seiner Braut Sophie von Kühn aufs...
Alle reden immer vom Anfang, von jener mythisch überladenen Ursuppe, aus der heraus die Musik zu «Rheingold» erwächst, in erst zarten, dann imposant sich zu überirdischer Schönheit auftürmenden Es-Dur-Wellen emporsteigt. Dabei ist das Ende dieses Musikdramas, mit dem die ganze Götterdämmerung einsetzt (obwohl die Tetralogie ja erkennbar von uns Menschen handelt)...
Die Insel war eines ihrer Lieblingsspiele. Alles was man sich nur wünschen und vorstellen konnte, gab es auf ihrer Insel. Manchmal glaubte Philip fast, daß sie wirklich existierte; dort war er der König und Ellen die Königin, und kein anderer durfte sie betreten – sie gehörte ihnen allein.» («Die verzauberte Stadt», Edith Nesbit 1858–1924)
Kinder denken oft in...
