Editorial Opernwelt 5/26
Als der Würfel gefallen war, hatte er keine Wahl mehr. Alle Türen zu, keine Optionen, nirgends. Und wer weiß, ob nicht Markus Hinterhäuser in diesem Moment, als ihm klar wurde, dass er nicht länger Intendant der Salzburger Festspiele bleiben würde, Wotans Satz in den Sinn gelangte: «Nur eines noch will ich – das Ende.
» Andere wiederum, die dem gestürzten König von der Salzach aus mehr oder minder nachvollziehbaren Gründen vermutlich keine einzige Träne nachweinen, werden in der gleichen Sekunde an den «Rosenkavalier» gedacht haben, an jene bitter-spöttische Sentenz der Feldmarschallin, nachdem sich Baron Ochs «unter Zeremoniell» aus ihren Gemächern verabschiedet hat: «Da geht er hin, der aufgeblasene, schlechte Kerl und kriegt das hübsche, jung Ding und einen Pinkel Geld dazu.»
Wie hoch die Summe ist, die auf Hinterhäusers Konto landet, ist unbekannt; darüber wird in solchen Fällen stets höfliches Stillschweigen vereinbart. Grämen muss sich der geschasste Intendant indes kaum. Die Abfindung wird eine erkleckliche Höhe haben (sein Ende März mit sofortiger Wirkung aufgelöster Vertrag lief bis 2031), und sein Netzwerk ist so dicht gewebt, dass er irgendwo in dieser bunt schimmernden ...
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Opernwelt Mai 2026
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Jürgen Otten
Leicht müsse man sein, «mit leichtem Herzen und leichten Händen, halten und nehmen, halten und lassen …», singt die Feldmarschallin im ersten Aufzug des «Rosenkavaliers». Auch in der Heidelberger Inszenierung von Andrea Schwalbach ist Leichtigkeit das Schlüsselwort. Als «Komödie für Musik» haben der Komponist und sein Textdichter Hugo von Hofmannsthal das Stück...
Nicola Porpora ist vor allem als Gesanglehrer zweier weltberühmter Kastraten, Cafarelli und Farinelli, in Erinnerung geblieben. Für sie schrieb er die Partien des Ulisse und des Aci im «Polifemo», seiner bekanntesten Oper, die 1735 in der mit Händels Opernakademie konkurrierenden Londoner Adelsoper zur Uraufführung kam. Mit dem begnadeten Melodiker und...
An Selbstbewusstsein scheint es Barbara Strozzi, der wohl bedeutendsten Komponistin des italienischen Frühbarock, nicht gefehlt zu haben. Denn gleich ihr erstes, 1644 im Druck erschienenes Madrigalbuch eröffnet sie mit einem Sonett in der Hoffnung, «vielleicht als neue Sappho begrüßt zu werden». Als «virtuosissima cantatrice» (so Nicolò Fontei schon 1635 in einer...
