Mehul auf einem Gemälde von Antoine Gros

Furioser Experimentator

Zwei Jahrhunderte nach seinem Tod rangiert Étienne-Nicolas Méhul als Randfigur der Musikgeschichte. Eine Neuaufnahme des Einakters «Uthal» und ein Essayband suchen dieses Bild zu korrigieren

Muss man Méhul kennen? Zusammen mit Cherubini und Spontini, Lesueur und ­Boieldieu gehört der vor genau 200 Jahren, am 18. Oktober 1817, verstorbene Tonsetzer aus den Ardennen zu den Opernkomponisten, die in den unübersichtlichen und tendenziell lebensgefährlichen Zeiten zwischen dem Sturm auf die Bastille und der Niederlage Napoleons in Paris wirkten – musikgeschichtlich gesprochen: zwischen Glucks Triumph in Paris und der durchgreifenden Italianisierung der französischen Oper durch Rossini kurz vor 1830.

Wer sich für diese turbulenten Zeiten und ihre furiosen Experimente interessiert, findet in den 35 Opern Méhuls, den manche Franzosen als «unseren Beethoven» verklären, viele Überraschungen – nicht nur im kürzlich aufgenommenen «Adrien» (siehe OW 9-10/2015), sondern auch in der Ersteinspielung seines «Uthal».

Aber bleiben wir zunächst bei der Frage nach Méhuls Bedeutung für die Operngeschichte. Einigen Aufschluss sollte hier ein (vom unermüdlichen Palazzetto Bru Zane finanzierter) Sammelband geben. Auf fast 700 Seiten finden sich ältere, vor allem aber neueste Forschungsergebnisse zu diesem Erben Glucks. Der dokumentarische Eifer und die handwerkliche Präzision der ...

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Opernwelt September/Oktober 2017
Rubrik: Magazin, Seite 116
von Anselm Gerhard

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