Forschergeist
Zu den Uraltklischees über Neue Musik gehört die Behauptung, sie sei hässlich, kalt, rein konstruiert: bloße Gehirnkunst, von Gehirnmenschen, nur etwas für seelenlose Wesen. Nun gehören zu bedeutender Kunst auch hohe Bewusstheit, Konzept, Kalkül, Präzision von Plan und Ausführung; und zum Kulturbetrieb Institutionen, Organisation und Management. Naturwüchsig entsteht kein Werk und keines wird so vermittelt.
Selbstverständlich gibt es im System auch coole Technokraten, die primär administrativ denken, ebenso Sektierer oder Orthodoxe, die nur eine Richtung oder Person gelten lassen wollen; mitunter gar Seilschaften höchst unterschiedlicher Art. Aber weit wichtiger für Kunst sind die hinter den Apparaten und jenseits etwaiger Dogmen: die wahren Sympathisanten der Kunst, die in und mit ihr leben, ihr Leben in sie einbringen, ja dynamohaft vorantreiben.
Wer Peter Oswald kannte, erfuhr ihn als Enthusiasten schlechthin, stets begeistert und Begeisterung erweckend. Zur Emphase gesellte sich bei ihm ein hohes Maß an Empathie für eine vielgestaltige Moderne: im konservativen Wien noch der 1980er-Jahre alles andere als selbstverständlich. Vielleicht haben gerade die obligaten Widerstände ihn ...
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Opernwelt September/Oktober 2017
Rubrik: Magazin, Seite 114
von Gerhard R. Koch
Zwei Knaben in Kniehosen jagen durchs Schilf. Erklimmen einen Baum, balancieren durchs sumpfige Gelände. In dem Film, mit dem Claus Guth seine «Clemenza»-Inszenierung angereichert hat, erkennen wir das linke Ufer von Glyndebournes Seerosenteich samt den dahinterliegenden Hügeln – und in den Jungs Tito und Sesto. Ihre Kindheitsfreundschaft, die Sesto nach dem...
Götz Friedrich war fassungslos. Nein, das könne doch nicht wahr sein. Das sei eine Falschmeldung. Catarina Ligendza habe mit dem Singen aufgehört? So plötzlich? Mitten heraus aus den größten Erfolgen ihrer Laufbahn? Der mächtige Intendant und Regisseur, damals ebenfalls auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn, wusste genau, was das bedeutete – für seine «Ring»-Produktion...
Nur zehn Kilometer trennen die Festivals Mörbisch und St. Margarethen voneinander. Und doch liegen Welten zwischen ihnen. Nicht, weil die 6000-Plätze-Tribüne von Mörbisch direkt am Ufer des Neusiedler Sees liegt, während in St. Margarethen ein seit Römerzeiten genutzter Steinbruch die spektakuläre Kulisse für bis zu 4670 Zuschauer pro Abend bildet, sondern weil...
