Fürchtet euch nicht!
Breughelland ist noch lange nicht abgebrannt. Und radioaktiv schon mal gar nicht. Da können noch so viele gelbe Giftfässer in der Philharmonie herumstehen, noch so viele Stimmakrobaten in weißen Schutzanzügen auf der Bühne wuseln und noch so viele Atompilze auf Flatscreens aufsteigen. In György Ligetis frei nach Michel de Ghelderodes Schauspiel «La Balade du Grand Macabre» gestaltetem Absurdistan ist die dem Abgrund entgegenschlingernde Menschheit so quietschfidel und rabenschwarz wie immer.
Mitte der 70er-Jahre hatte er sein aberwitzig vertracktes Höllengelächter für großes Orchester, Chor und ein gutes Dutzend Solisten im Auftrag der Stockholmer Oper komponiert, die Partitur zwei Jahrzehnte später noch einmal grundlegend überarbeitet. Und uns damit jene Fassung seines «Grand Macabre» geschenkt, die bis heute nichts von ihrer geistsprühend-anarchischen Frische, ihrem klangwütigen Trotz und bissigen Humor verloren hat.
Das sieht auch Simon Rattle so. Jedenfalls verwandeln sich die Berliner Philharmoniker zum Auftakt einer kleinen «Macabre»-Tour, die nach drei szenischen Konzerten in Berlin nach Dortmund und Essen führte, unter seinen Händen in eine wundersame Zauberrappelkiste, ...
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Opernwelt April 2017
Rubrik: Panorama, Seite 37
von Albrecht Thiemann
Seit 20 Jahren firmiert es unter diesem Namen. Und seit 37 hat es den Anspruch, einen Querschnitt der Gegenwartsmusik zu bieten. Anfangs konzentrierte man sich auf Komponistenporträts und Schwerpunktthemen. Doch auch nach dem Relaunch 1997 gab es (unausgesprochen) einen Pol: Formen des Performativen und die menschliche Stimme. Beim Mini-Jubiläum mit 25...
Manchmal sieht man es erst auf den dritten Blick. Wenn Vaters schmuckes Jackett speckige Flecken bekommt, wenn Mutter nur noch Billigstfleisch beim Discounter kauft – oder wenn das Kind nicht mit auf Klassenfahrt kann: Es strauchelt sich schnell in exakt jenem sozialen System, in dem der wahre Status getarnt sein will. Existenznot beginnt mit kleinen,...
Barockoper am Stadttheater? Eine Herausforderung. Nicht selten ein Problem. Aber es geht, wenn niemand sich bange machen lässt. Der jüngste Beweis: Händels «Julius Cäsar» in Freiburg. An einem Ort also, der Heimstatt eines weltweit aktiven Spezialensembles ist. Um das Hausorchester kümmerte sich ein in Mitteleuropa noch kaum bekannter Gastdirigent erster Güte: der...
