Für mich ist Mozart wahrer Belcanto

Vier Jahre lernte der Südtiroler Bariton André Schuen (*1984) sein Handwerk an der Oper Graz. Dann engagierte ihn Nikolaus Harnoncourt für «Figaro», «Don Giovanni» und «Così» in Wien – ein Durchbruch. Teodor Currentzis holte ihn für seinen Mozart-Da Ponte-Zyklus nach Perm. Schuens erstes Lied-Recital war im August «CD des Monats». Ein Gespräch über Wünsche, Träume und die Essenz des Singens

Opernwelt - Logo

Herr Schuen, Sie sind noch jung. Ganz pauschal gefragt: Was würden Sie als Sänger gern erreichen? Welche Ziele haben Sie?
Ich möchte all das singen, was zu meiner Stimme und meiner Person passt. Und zwar so, dass ich mit dem Ergebnis zufrieden sein kann. Eines ist mir jetzt schon klar: Ich werde bestimmt nicht ausschließlich Oper machen. Wenn ich Lieder singe, geht mir das Herz auf. Auch im Konzert möchte ich mich entwickeln – vielleicht die schwierigste Sparte: Man geht rein, wartet, singt, pausiert, singt.

Die Herausforderung besteht darin, sich nicht von dem stressen zu lassen, was einem so durch den Kopf geht, wenn man nicht dran ist. Auf der Opernbühne bewege ich mich ja ständig, bin auch als Schauspieler gefragt. Da kommt man nicht so schnell ins Grübeln.

Wie lange lassen Sie eine Partie reifen, bevor Sie sich mit ihr hinauswagen?

Ich bin da sehr vorsichtig, weil man nie genau weiß, wie und wohin sich die Stimme entwickelt. Wenn man sich falsch einschätzt, kann ganz schnell Schluss sein. Sei es, dass eine Partie für die Stimme zu schwer ist. Sei es, dass man eine Rolle noch nicht gut genug auf der Bühne rüberbringen kann. Man tut sich keinen Gefallen, wenn man zu früh zu viel ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2015
Rubrik: Magazin, Seite 79
von Christoph Vratz

Weitere Beiträge
Geist und Trieb

Kadmos, der Gründer Thebens, ist als König zurückgetreten. Nachfolger wird sein Enkel, der sinnenfeindliche Asket Pentheus, dem das Volk davonläuft, weil es den Orgien des Dionysos erliegt. Alle Verbote sind vergeblich, selbst Pentheus’ Mutter Agaue folgt den Verlockungen des Rauschgottes. Als Pentheus, im Gewand der Mutter, schließlich selbst den Berg Kytheron...

Mit Schirm, Schwarm und Melone

Magisch flirren kann der Beginn des «Lohengrin», flageolettfarbene Sphärenmusik sein. In Bern geht das erst mal schief – weil eine der Violinen um Haaresbreite danebenliegt. Erst als die Holzbläser und die tiefen Streicher den Klang grundieren, erfasst ein Sehnsuchtssog das Orchester wie eine geheime Tiefenströmung. Mario Venzago kann das, kein Zweifel. Der Chef...

Was kommt...

Spiegelspiele
Das Theater Chemnitz zeigt Alexander Zemlinskys tragisches Märchen «Der Zwerg»: Frank Beermann dirigiert, Walter Sutcliffe inszeniert den Einakter, der auf einer Geschichte von Oscar Wilde fußt («Der Geburtstag der Infantin»).

Wild und leise
Als Mezzo spielt man nicht das brave Mädchen. Mit Hexen, Verfluchten und Sirenen hat man’s da zu tun. Ob Ortrud...