Facetten des Wartens

Die Opéra national du Rhin macht sich für Faurés «Pénélope» stark. In traumverlorenen Bildern von Olivier Py und Pierre-André Weitz

Eine Dramaturgie der feinen Art: Intendant Marc Clemeur bezieht an der Opéra du Rhin «Ariane et Barbe-Bleu» von Dukas (siehe OW 6/2015) auf Faurés wenig später entstandene «Pénélope» und gibt sie demselben Regisseur. So entsteht ein ungewöhnliches Diptychon: zwei Opern, die Opernhaftes hinter sich lassen, sich introvertiert geben und doch auf ehrgeizige Weise versuchen, Klassizismus und zeitgemäße, zeitgenössische Musiksprache zu verbinden.

Fauré, ein Liedspezialist, hält das Grundgepräge sogar noch lyrischer als Dukas, er drosselt orchestrale Ausbrüche, setzt auf sublime Farben, kennt sich aus bei fein gegliederter, syntaktisch flexibler Kantabilität. Bei Debussys «Pelléas et Mélisande» fand er die Behandlung der Singstimmen zu spröde und hat seine Konsequenzen daraus gezogen, ebenso aus dem symphonisch-reißerischen Überdruck der «Salome» und den abschattierten Klangmischungen des «Parsifal».

«Pénélope» wird selten gespielt. In Deutschland kam sie erst 2002 als Eigenproduktion auf die Bühne: in Chemnitz, immerhin 90 Jahre nach ihrer Entstehung (siehe OW 6/2002). Im Mittelpunkt steht, das ist entscheidend, nicht die Titelfigur als Individuum, sondern ihr Warten auf Ulysses. Dieses ...

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Opernwelt Dezember 2015
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Stephan Mösch

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