Kühle Luft, klare Linien

Michael Schønwandt gratuliert Carl Nielsen mit einer hinreißenden «Maskarade» zum 150.

Das ist keine Prahlerei, das ist ein Liebesgeständnis: Der Dirigent Michael Schønwandt kennt «Maskarade» von Carl Nielsen auswendig – und zwar «seit ich zehn Jahre alt bin», erzählte er Ende April bei dänischem Bier im Kopenhagener «Tivoli». Und wie man Nielsen im Orchester spielen muss, hat er bei der Gelegenheit auch erklärt: «Nicht zu dick. Dann klingt er wie schlechter Brahms. Schauen Sie sich unsere Landschaft hier im Frühling an: das helle Grün, das Licht, die etwas kühle Luft. Das muss leicht klingen, mit klaren Linien.

»

Leicht und lebhaft stürzt sich das Dänische Nationale Symphonieorchester denn auch in den Wirbel der Ouvertüre zum ersten Akt dieser Komödie. Man spürt die Lust an der Polyphonie, die – wie stets bei Nielsen – kein akademisches Zitat, sondern potenzierter Witz, sirrende Lebensenergie ist. Und doch lässt sich Schønwandt nicht dazu hinreißen, Kobolz zu schießen, aus dem Munteren ins Rüde zu fallen. Behände wechselt das Orchester seine Funktionen, stützt und begleitet, zeigt Empathie mit den Figuren, malt ein Gähnen nach und zeichnet die Menschen als Typen: Der gezackte Rhythmus beim ersten Auftritt des Leonard zeigt einen Menschen, der seine Schüchternheit ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 25
von Jan Brachmann

Weitere Beiträge
Sperrige Leckerbissen

Irland ist ein sangesfreudiges Land. In fast jedem Pub klampfen bärtige Barden schmissige Songs und traurige Balladen. Dass die grüne Insel in Sachen Oper noch immer als Diaspora gilt, ist der Historie geschuldet: Das einstige Armenhaus Europas hatte wenig Bedarf an feudaler Zerstreuung durch repräsentatives Musiktheater. Auch der Bürgerstolz, der im 19....

Infos

Jubilare

Bereits im Alter von vier Jahren sang sie im Kinderchor ihrer Heimatstadt Raleigh, North Carolina, erhielt ersten Gesangsunterricht als 14-Jährige und studierte schließlich an der University of North Carolina und der East Carolina University. Ihre professionelle Opernlaufbahn begann die Mezzosopranistin Jeanne Piland an der New York City Opera, wo sie bei...

Skurril, urgewaltig

Die Piazza Vittorio liegt in der Nähe des Hauptbahnhofs, im größten multiethnischen Viertel Roms. Vor allem für ihren großen Markt ist sie bekannt, wo man Lebensmittel und Gewürze aus aller Welt bekommt. Seit 2002 trägt auch ein Orchester ihren Namen. Die Mitglieder stammen aus zehn verschiedenen Ländern, sprechen neun verschiedene Muttersprachen. Ihre...