Für einen Moment Glück
Bäume? Sucht man vergebens. Ameisenhügel, Haselnüsse, Tannenzapfen? Fehlanzeige. Vogelgezwitscher? Hört man nur im Orchester, dort aber überaus erquicklich und auch in der Folge in glücklichster Trennschärfe; die Kammerfassung von Jonathan Dove ist wirklich famos und wird von Marko Letonja, Bremens neuem GMD, exakt auch so dirigiert. Auf der Bühne aber ist die Natur abwesend. Vor uns eine schmucklose Manege, die sich schräg nach vorne neigt, wie eine Rutschbahn (des Lebens), und so gut wie keinen Halt bietet, in der Mitte eine einsame, hässliche Metallstange.
Auch die «Blaue Libelle» flattert nicht umher, sondern windet sich in Gestalt einer Vertikaltuchakrobatin (Nina Ronge) schlangengleich nur um geknotetes Leinen: turnerisch anmutige Vorführung als Surrogat für ein Waldleben, das es so nicht mehr gibt. Welt, bist du wirklich so leer und kalt?
Natürlich nicht. Doch gleich mit dem ersten Bild entscheidet sich Tatjana Gürbaca dafür, Janáčeks Musiktheater mit dem nach wie vor falschen Titel «Das schlaue Füchslein» (wörtlich übersetzt müsste es «Die Abenteuer der Füchsin Bystrouschka» heißen) nicht als bunte Fabel, sondern als Parabel zu erzählen. Menschen und Tiere sind Menschen. ...
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Opernwelt Dezember 2021
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Jürgen Otten
Ein problematischer Stoff: Eine Frau lebt sich aus, ein Mann verfällt ihr, riskiert für Sex und Liebe seine berufliche Existenz – und am Ende bezahlt sie, die nach Freiheit strebende, durchaus für körperliche Auseinandersetzungen zu habende (halb-)kriminelle Nomadin, mit ihrem Leben. Denn – das ist der Kniff an der Handlung von «Carmen» – ihr Ruf muss nicht erst...
Die Geschichte ist, nun ja, etwas seltsam: Ein eifersüchtiger Pastor trifft auf einen schwächlichen Nebenbuhler, der vom jähzornigen Schwiegervater getötet wird, die untreue Gattin bittet ihren frisch geschiedenen Ex-Mann um eine Beichte, und am Ende steht das christliche Verzeihen, wovon wiederum der getötete Liebhaber herzlich wenig hat. Schon 1850, während der...
Hohe Poesie war es nicht unbedingt, was da in der Mai-Ausgabe der Zeitschrift «Musica» des Jahres 1967 zu lesen war. Aber dazu fühlte sich der Kritiker Hans Böhm auch nicht berufen. Seine Aufgabe bestand darin, eine Uraufführung an der Dresdner Hochschule für Musik Carl Maria von Weber zu besprechen: «Weiße Rose», von ihren Autoren, dem Kompositionsstudenten Udo...
