Schlamm zu Schlamm
Als ob es eine tief strömende, die Richtung ändernde Bewegung gäbe, vertrauen Komponisten wie Michael Wertmüller, Toshio Hosokawa, Miroslav Srnka, Johannes Kalitzke in jüngster Zeit wieder der Narration in ihrem Musiktheater, nennen es gattungsgerecht Oper. Auch Hans Thomallas neues Werk «Kaspar Hauser», eine «Oper in drei Akten», schreibt und schreitet einen Weg von A nach Z aus, von der Erscheinung der Titelfigur, einer Art Geburt, bis zu ihrem Tod.
Ein Mensch wird auf die Erde geworfen, erhebt sich, schaut sich um in einer fremden Gesellschaft und stirbt an seinen (ihren?) Wunden mit dem Gesicht zur ewigen Erde. Das ist natürlich nur die Fabel. Das Sujet (im Sinne des russischen Strukturalismus) ist von der Musik bestimmt. Mehr noch: Das Fabelwesen, der Findling Kaspar Hauser, wird von der Gesellschaft und ihrer Artikulation in und durch Musik determiniert, er selbst verwandelt sich in Tönen – Körper wird Musik, Musik wird Körper.
Das ist ein ganz wesentlicher Aspekt der Thomalla’schen Ästhetik, die in seinem ersten Bühnenwerk, der 2011 in Stuttgart herausgekommenen Medea-Oper «Fremd», deutlich wurde: die Doppelstrategie von Musik als Erzählung und Musik als Reflexion ihrer ...
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Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 22
von Götz Thieme
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