Aus dem Leben eines Taugenichts

Opernwelt - Logo

Wie sagt man so schön? Gebranntes Kind scheut das Feuer. Für mich steht demnächst eine Produktion in einem Opernhaus an, in dem ich vor ungefähr 20 Jahren mal so richtig versengt wurde.

Natürlich übertreibe ich maßlos, wie immer. In Wahrheit war die Geschichte nicht besonders markerschütternd. Vor allem nicht besonders besonders. Einfach eine von denen, die manche abschütteln wie eine lästige Fliege, die aber den meisten Sängern Schaum vor den Mund treibt. Die Rede ist von Strichen.

Verstehen Sie mich nicht falsch, ich hab nichts gegen Striche. Im Gegenteil.

Es gibt ja Kollegen, die machen Basilio in «Le Nozze di Figaro» nur, wenn seine Arie nicht vorkommt. Während ich mir denke: Hallelujah! Denn wieso man die singen, geschweige denn einem Publikum zumuten will, ist mir ohnehin ein Rätsel. Auf die Idee kann eigentlich nur kommen, wem Narzissmus die Vernunft vernebelt hat.

Was mich zum Kochen bringt, sind die strichkulturellen Umgangsformen. Beliebt sind folgende Varianten: a) Dirigent und ­Regisseur wissen, was sie streichen wollen, sagen’s aber nicht den Sängern. b) Dirigent und Regisseur beschließen, sich erst im Probenprozess Gedanken über die Striche zu machen – wiederum auf ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Magazin, Seite 77
von Christopher Gillett

Weitere Beiträge
Die Musik spielt im Graben

Mit ehrgeizigen Zielen hat Riccardo Chailly 2015 sein neues Amt als Musikdirektor an der Mailänder Scala angetreten: Er will der ita­lienischen Oper im Allgemeinen und Giacomo ­Puccini im Besonderen wieder mehr Geltung verschaffen – sicherlich ein kluger Schachzug, um die Scala stärker gegenüber den anderen großen europäischen Opernhäusern zu profilieren und...

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Wenn sich im Theater an der Wien der Vorhang hebt, ­sehen wir eine Bühnenbox mit breiter Treppe, je nach Beleuchtung wie aus Beton oder aus friedhofsaffinem Marmor. Darauf drei zum Teil ramponierte Tasteninstrumente, ein grüner Gedenkkranz, Kerzen und zahlreiche Hingeschiedene, blutverschmiert und bleich. Wobei Letztere sich später, ars gratia artis, als Untote und...

Stürmische Aussichten

Ein knappes Jahr nach John Berrys Rücktritt hat sich ein neuer Artistic Director für die English National Opera gefunden: Daniel Kramer. Wie bitte, wer? Opernmäßig startete der heute 39-Jährige 2008 in der hauseigenen Young Directors Initiative durch: Mit Birtwistles «Punch and Judy» sahnte er einen South Bank Award ab. Im Coliseum imaginierte er dann «Herzog...