Aus dem Leben eines Taugenichts

Opernwelt - Logo

Wie sagt man so schön? Gebranntes Kind scheut das Feuer. Für mich steht demnächst eine Produktion in einem Opernhaus an, in dem ich vor ungefähr 20 Jahren mal so richtig versengt wurde.

Natürlich übertreibe ich maßlos, wie immer. In Wahrheit war die Geschichte nicht besonders markerschütternd. Vor allem nicht besonders besonders. Einfach eine von denen, die manche abschütteln wie eine lästige Fliege, die aber den meisten Sängern Schaum vor den Mund treibt. Die Rede ist von Strichen.

Verstehen Sie mich nicht falsch, ich hab nichts gegen Striche. Im Gegenteil.

Es gibt ja Kollegen, die machen Basilio in «Le Nozze di Figaro» nur, wenn seine Arie nicht vorkommt. Während ich mir denke: Hallelujah! Denn wieso man die singen, geschweige denn einem Publikum zumuten will, ist mir ohnehin ein Rätsel. Auf die Idee kann eigentlich nur kommen, wem Narzissmus die Vernunft vernebelt hat.

Was mich zum Kochen bringt, sind die strichkulturellen Umgangsformen. Beliebt sind folgende Varianten: a) Dirigent und ­Regisseur wissen, was sie streichen wollen, sagen’s aber nicht den Sängern. b) Dirigent und Regisseur beschließen, sich erst im Probenprozess Gedanken über die Striche zu machen – wiederum auf ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Magazin, Seite 77
von Christopher Gillett

Weitere Beiträge
Freiluftfreuden

Auch das Schweizer Mittelland braucht ein Opernfestival. Deshalb stellt die Oper ­Schenkenberg im Aargau regelmäßig Freiluft­serien auf die Beine – wobei nach «Carmen» 2010 und «Il trovatore» 2013 jetzt Verdis «Rigoletto» an der Reihe ist. Als Scena dient diesen Sommer die dramatisch gefältelte Glas-Beton-Fassade der Turnhalle Mülimatt in Brugge: Vom 11. bis 27....

Sex in Zeiten des Internet

Philippe Boesmans ist nicht der erste, aber der bislang erfolgreichste Komponist, der Arthur Schnitzlers «Reigen» auf die Opernbühne brachte. Das «erektiefste» Stück , so das Bonmot des Schnitzler-Freundes Richard Beer-Hofmann, das bei seiner Uraufführung einen Theaterskandal auslöste, bietet mit seiner Variationsstruktur des Immergleichen – zehn Paare finden sich...

Salz in des Narren Wunden

Das erste Bild ist vielversprechend. Rigoletto, das aufgeschminkte Clownsgesicht verzweifelt verzogen, trägt ­einen Karton vor sich her. Er bewahrt darin Kleidungsstücke auf, die ihn an die durchgemachte Tragödie erinnern. Auf der Bühne der Opéra Bastille läuft die Handlung nämlich als Rückblende ab: Die Ereignisse, die einst Rigolettos Seele versehrten, werden...