Frostig

Hamburg / Staatsoper Puccini: Madama Butterfly

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Puccinis Verleger Giulio Ricordi bezeichnete Pinkerton als «un mezzo lavativo americano»: ein Brechmittel. Dieses Charakterbild mag dazu beigetragen haben, dass Puccini nach der Mailänder Uraufführung «eine hasstrunkene Orgie des Wahnsinns» erlebte. Für die zweite Fassung der Oper tilgte er die verletzenden Bemerkungen Pinkertons über Japan und verwandelte ihn in einen reumütigen Sünder, der im Finale tränenreich Abschied nimmt von seinem «fiorito asil».



Vincent Boussard (Regie) und Vincent Lemai­re (Bühne) sehen den ruchlosen Leichtfuß in ihrer Hamburger Inszenierung von diesem trügerischen, weil unglaubwürdigen Ende her. Sehe man genau hin, so der Regisseur, erkenne man «die Ehrlichkeit, mit der er lebt, beispielsweise im Duett. ... Er erliegt, genau wie Butterfly, dem Zauber dieser Liebesbegegnung.» Mit «Addio, fiorito asil» habe Puccini ihm die Möglichkeit gegeben, seine «tiefe Wunde auszudrücken». Eine kecke, geradezu zynische Umdeutung: Wenn den latent Pädophilen etwas in der Gewalt hat, dann seine «fun morality». Das Erste, wonach Pinkerton fragt, als er sein Haus betritt, ist das «nido nuzial’» – das Liebesnest. Dem Konsul gegenüber erklärt er, er wolle sich einen ...

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Opernwelt Januar 2013
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Jürgen Kesting

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