Frostig
Puccinis Verleger Giulio Ricordi bezeichnete Pinkerton als «un mezzo lavativo americano»: ein Brechmittel. Dieses Charakterbild mag dazu beigetragen haben, dass Puccini nach der Mailänder Uraufführung «eine hasstrunkene Orgie des Wahnsinns» erlebte. Für die zweite Fassung der Oper tilgte er die verletzenden Bemerkungen Pinkertons über Japan und verwandelte ihn in einen reumütigen Sünder, der im Finale tränenreich Abschied nimmt von seinem «fiorito asil».
Vincent Boussard (Regie) und Vincent Lemaire (Bühne) sehen den ruchlosen Leichtfuß in ihrer Hamburger Inszenierung von diesem trügerischen, weil unglaubwürdigen Ende her. Sehe man genau hin, so der Regisseur, erkenne man «die Ehrlichkeit, mit der er lebt, beispielsweise im Duett. ... Er erliegt, genau wie Butterfly, dem Zauber dieser Liebesbegegnung.» Mit «Addio, fiorito asil» habe Puccini ihm die Möglichkeit gegeben, seine «tiefe Wunde auszudrücken». Eine kecke, geradezu zynische Umdeutung: Wenn den latent Pädophilen etwas in der Gewalt hat, dann seine «fun morality». Das Erste, wonach Pinkerton fragt, als er sein Haus betritt, ist das «nido nuzial’» – das Liebesnest. Dem Konsul gegenüber erklärt er, er wolle sich einen ...
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Opernwelt Januar 2013
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Jürgen Kesting
Jubilare
Wie so viele britische Dirigenten ist er ein Spross der Kathedralchortradition und ausgebildeter Organist. Heute kennt man Richard Armstrong als Operndirigenten mit Schwerpunkt auf den Werken Verdis, Wagners, Strauss’ und Janáceks. Armstrong war von 1973 bis 1986 Music Director der Welsh National Opera, dieselbe Position hatte er von 1993 bis 2005 an der...
So viel Salzburg war noch nie. 220 Aufführungen sollen während der Sommerfestspiele 2013 stattfinden, an 45 Tagen. Alexander Pereira hat für seine zweite Saison die Sponsorengelder von 8,5 auf 13,5 Millionen Euro erhöhen können. Das ist genau so viel Geld, wie die öffentliche Hand für Österreichs Vorzeigefestival bereithält. Auch diese Konstellation ist neu.
Ende...
«Von Anfang an erwies sich seine Stimme als außerordentlich phonogen. Sie war lieblich wie eine Cremoneser Violine, konnte eine Melodielinie mit der ziehenden Melancholie einer Klarinette oder eines Cor anglais versehen. Sie konnte sich aufschwingen mit glockigem Schlag oder trompetenhaftem squillo-Klang. Mehr noch: Die Art, wie er sie gebrauchte, wirkt auch fünf...
