Frisch, frivol, fröhlich, frei
Offenbach? So denkt man unwillkürlich, wenn man sieht, wie sich im Straßburger Haus der Opéra national du Rhin zwei Herren vom Schnürboden in den Raum abseilen, der hier die Erde vorstellt. Der eine trägt Frack, Zylinder und Lackschuhe. Und: Drückt sich das Hinüberblinzeln zu Maître Jacques nicht auch darin aus, dass der bessere Herr in den besten Jahren sich in eine Frau verwandeln muss, um ein begehrenswertes junges Ding für sich zu interessieren? Monsieur ist der Verwandlungspezialist und Chefgott Jupiter – in der frühen italienischen Oper Giove.
Die Dame, die anzubaggern er sich vorgenommen hat, ist die Nymphe Calisto, Titelheldin der Oper von Francesco Cavalli (1602 bis 1676).
In «La Calisto» geht es um die Liebe und nichts als die Liebe – in allen Erscheinungsformen, als glückliche und unglückliche Zuneigung, als tragisch vergebliche und lachhafte, als erfüllte und enttäuschte, eifersuchtsgeplagte und vergnügliche. Und eben auch als gleichgeschlechtliche. Das Durcheinander ist beträchtlich, am Ende hat die notorisch hintergangene Göttergattin Giunone halbwegs für Ordnung gesorgt und Calisto in eine Bärin verwandelt – mit der Aussicht, zum Sternbild am nächtlichen Firmament ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2017
Rubrik: Panorama, Seite 54
von Heinz W. Koch
Er war ein Freund von Marcel Proust, Dandy, hochgeschätzter Sänger in den Pariser Salons, Dirigent, Musikkritiker; seine leider nie ins Deutsche übersetzte Studie «Du Chant» ist eines der glänzendsten Bücher, die je über Gesang geschrieben wurden. Als Komponist ist Reynaldo Hahn vor allem mit seinen melancholisch-eleganten, die leichte mit der ernsten Muse...
Frauen? Die Meinungen differieren in Sorotschinzi, zumindest was die gute Chiwrja Nikiforowna betrifft. Bauer Tscherewik fragt sich, warum der liebe Gott, wo es doch schon hinreichend Dreck auf Erden gebe, dazu noch das Weib geschaffen habe, Afanassi Iwanowitsch hingegen, Dorfgeistlicher mit libertinär-libidinöser Moral, vertritt die Ansicht, allein von ihr könne...
Eigentlich könnte man es sich leicht machen mit «Satyagraha» von Philip Glass: Man lässt die Räucherstäbchen süßlich nebeln, dazu die Musik sanft und monoton in die Gehörgänge laufen (die minimalen rhythmischen Verschiebungen und harmonischen Progressionen stören nicht weiter) und den Geist langsam ins Nirwana trudeln. Dort angekommen, würde die Gandhi-Oper von...
