Liebesspiel am Nil
Wieder am 16., 30. Juni, 1. Juli 2017 in Leipzig. www.oper-leipzig.de
Diese Ausgrabung von Nico Dostals 1936 uraufgeführter Operette zeigt vor allem eines: unter welchen Bedingungen unterhaltendes Musiktheater nach drei Jahren NS-Kulturpolitik stattfand, nachdem mit den jüdischen Künstlern auch der freche Witz und der freie Geist aus den Theatern vertrieben worden waren. Dostals Librettist Rudolf Köller mag ein belesener Mann gewesen sein, der sich für «Prinzessin Nofretete» vom antiken Geschichtsschreiber Herodot inspirieren ließ, doch die Geschichte um Liebestechtelmechtel in den Ausgrabungsstätten am Nil kommt als biedere Boulevardkomödie daher.
Zwischen lauter geldfixierten Engländern ist zudem der nordische Wissenschaftler Hjalmar Eklind die einzig integere Figur.
Dostal hat dem flotten Sound seiner 1933 herausgekommenen «Clivia» abgeschworen, komponiert nun Mitläufer-Musik: Was bleibt der Schlageroperette, wenn der Jazz verboten ist? Nur der Rückfall in Paul Linckes Posse-mit-Musik-Gestus. Es wird viel marschiert, die Soldaten des Pharao gebärden sich preußisch, der Herrenchor fordert kernig-burschenschaftshaft «Ran, junger Mann!» – an die Braut nämlich.
Franziska Severins brav-biedere Inszenierung mag die Entstehungsumstände nicht ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2017
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Frederik Hanssen
Vor 200 Jahren erregte der Schweizer Musikpublizist und -verleger Hans Georg Nägeli einiges Ärgernis. Hatte er es doch gewagt, den großen Mozart zu kritisieren: Ausgerechnet dem «Götterliebling», dem «Raffael der Musik» attestierte er nämlich «Unreinheit», ja «widerwärtige Styllosigkeit». In einer Zeit, in der man von Mozart noch nicht allzuviel kannte, in ihm...
Eine Pastellszene der gehauchten, mehr angedeuteten als wirklich aufgetragenen Farben: Das würde ein zünftiges Intendantenbüro heutzutage nur dann ohne Schrammen passieren, wenn ein Regiekaliber vom Range eines – sagen wir: Patrice Chéreau darauf pochte. Eine Art Chéreau hatten die Freiburger indes nicht in der Hinterhand, als sie darangingen, Jules Massenets...
Ein zweites Mal ausgebootet. Zunächst von Ulisse, dann von dessen Sohn Telemaco – nicht verwunderlich, dass die Oper mit einer Rache-Arie der göttlichen Calipso endet. Wobei: Es ist eher ein Wüten von der Stange, weniger aus originellem Musikerfindergeist geboren, mit dem Johann «Giovanni» Simon Mayr die Zuhörer entlässt. Zum Zeitpunkt seines «Telemaco», am 11....
