Der Schöpfer, lustlos
Wie klingt es, wenn jemand zur Salzsäure erstarrt? Wie tönt es, wenn Sodom und Gomorrha in Schutt und Asche gelegt werden? Antworten gibt der italienische Komponist Giorgio Battistelli in seiner neuesten Oper «Lot», die jetzt mit zweijähriger Verspätung in Hannover uraufgeführt wurde.
Dass die erste Frage dann doch offen bleibt, liegt an der Librettistin Jenny Erpenbeck, die Lots Frau nicht neugierig hinter sich sehen, sondern bewusst zurückbleiben lässt, weil mit der Stadt Sodom auch ihre Geschichte untergeht.
Sie ist ja, im Gegensatz zu ihrem Mann Lot, eine Einheimische, die ergriffen Abschied nimmt (Khatuna Mikaberidze macht das angemessen ergreifend).
Dies ist nicht der einzige Eingriff in die biblische Geschichte, den die musiktheatererfahrene Autorin vollzieht. Sie gibt der auf Lots Rettung folgenden Geschichte um seine Töchter (an die sich vielleicht nur bibeltreuere Leser erinnern) mehr Tiefe als der lakonische «Genesis»-Text. Während dort der betrunken gemachte Lot nicht merkt, was mit ihm passiert, geschieht hier die Verführung durchaus bewusst. Die widerspenstige ältere Tochter will klären, ob ihr Vater ein Heiliger oder ein Scheinheiliger ist – und der weiß durchaus ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2017
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Rainer Wagner
Argentinien
Buenos Aires
Teatro Colón
Tel. +54-1-382 23 89
www.teatrocolon.org.ar
– Giulio Cesare in Egitto: 6., 9., 11., 13.
Buenos Aires Lírica
Tel. +54-11-48 12 63 69
www.balirica.org.ar
– La scala di seta: 12., 19., 26.
Australien
Brisbane
Opera Queensland
Tel. +61-7-38 44 77 90
www.operaq.com.au
– Les pêcheurs de perles: 1., 3.
Sydney
Opera Australia
Tel. +61-2-931 88...
Die Entstehungsgeschichte des «Prophète» zieht sich lang durch die 1840er-Jahre. Für die extremen Anforderungen an seine Hauptpartien musste Meyerbeer auf die Verfügbarkeit vor allem der epochalen Mezzosopranistin Pauline Viardot warten, die Fidès, der Mutter des falschen Propheten, unfassbar profunde Töne zu geben vermochte. Dann kam noch die 48er Revolution...
Ein gutes Opernfoto, sagt Barbara Aumüller, ist beinahe paradox: Je weniger opernhaft es wirkt, desto besser. «Ich lege Wert darauf, dass ein Sänger auf dem Foto nicht singt – so komisch das auch klingen mag. Pathetische Sänger mit offenen Mündern will heute niemand mehr sehen. Ich will jeden Sänger als einen Mensch zeigen, der in seinem Umfeld auf der Bühne eine...
