Fremde Welten, tiefe Gefühle
Ich muss gestehen, die Oper «Frédégonde» war mir bis vor Kurzem nicht bekannt. Dass ich damit nicht allein bin, davon zeugen noch jüngste Veröffentlichungen zur Geschichte der französischen Oper im späten 19. Jahrhundert, in denen das Werk nicht auftaucht. «Frédégonde» erscheint auf den ersten Blick fremd im Sinne von unbekannt – und merkwürdig.
Denn merkwürdig, ja außergewöhnlich ist es, dass die Oper vier Väter hat – zunächst den Librettisten Louis Gallet (1835–1898), der den Stoff über die blutige Rivalität der Merowinger-Königinnen Brunhilda und Frédégonde zweimal Camille Saint-Saëns (1835–1921) anbot. Nachdem dieser erst abgelehnt hatte, fand das Szenario 1889 in dem Komponisten Ernest Guiraud (1837–1892) einen interessierten Abnehmer. Guiraud starb 1892, nachdem er drei von sechs vorgesehenen Akten der Oper komponiert hatte. Nun übernahm Camille Saint-Saëns, reduzierte nach Absprache mit Gallet das Ganze auf fünf Akte, und damit es voranging, wurde noch Paul Dukas (1865–1935) zur Orchestrierung der fertig komponierten Szenen herangezogen. Am 18. Dezember 1895 wurde «Fré-dégonde» an der Académie Nationale in Paris uraufgeführt und brachte es auf acht Folgevorstellungen.
Frem ...
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Opernwelt Jahrbuch 2022
Rubrik: Wiederentdeckung des Jahres, Seite 50
von Günther Heeg
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Kirill Semjonowitsch Serebrennikov ist ein Universalist der darstellenden Künste. Er inszeniert in Schauspiel, Ballett und Oper, bei Crossover-Projekten und im Performancebereich und ist dabei oft als sein eigener Bühnen- und Kostümbildner unterwegs, er ist Drehbuchautor und Kinoregisseur, er realisiert Fernsehproduktionen und Musikvideos – und ist zugleich das...
