Der Profi
Jahrespressekonferenzen mit Bernd Loebe sind ein Spaß, und lehrreich sind sie auch. Man erlebt einen Menschen, der unmittelbar und unverziert über Dinge spricht, die ihn ernsthaft etwas angehen. Eine Selbstverständlichkeit? Merkwürdigerweise nicht. Seine Leidenschaften versteht er dabei zu zügeln. Eher entflammt er sich – das hat er mit vielen trefflichen Frankfurter Feuilletonredakteuren gemeinsam –, wenn zwischendurch von der Eintracht die Rede ist. Aber Fußball ist privat. Die Oper ist der Beruf.
Loebe ist Frankfurter, aber wenn es um den Beruf geht, ist er eher der preußische Typ, obwohl das in dieser Stadt ein zwiespältiges Kompliment bleibt – mag die Schmach der preußischen Besetzung noch so lange her sein (156 Jahre, wie er sicher weiß). Wenn es um die Oper geht, ist er kein Schwärmer, das verdoppelt und nobilitiert jedes Lob. Wenn er – und er wird vermutlich seelenruhig dabei klingen – über eine Sängerin sagt: «Sie hat mich erstaunt», oder über einen Sänger meint: «Wir haben ihn sofort engagiert», dann wird man von den beiden ziemlich sicher noch hören.
Bernd Loebe ist ein gemütlicher Redner, davon sollte man sich aber nicht täuschen lassen. Er ist präziser in der ...
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Opernwelt Jahrbuch 2022
Rubrik: Opernhaus des Jahres, Seite 12
von Judith von Sternburg
Frau Meyer, Sie saßen acht Jahre lang als einzige Frau in der deutschsprachigen Opernkonferenz, dem Verbund der großen Opernhäuser in Deutschland, der Schweiz und Österreich. An was fühlten Sie sich mehr erinnert: an Herbert Grönemeyers gesungenes Diktum, Männer seien einfach unersetzlich? Oder doch, paraphrasierend an Heine: Denke ich an Opern-Deutschland in der...
Opernwelt
63. JAHRGANG, JAHRBUCH 2022
Opernwelt wird herausgegeben von Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
ISSN 0030-3690 | Best.-Nr. 752966
REDAKTION OPERNWELT
Nestorstraße 8-9, 10709 Berlin
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REDAKTION
Jürgen Otten (V. i. S. d. P.), Arno Lücker
REDAKTIONSBÜRO
Justus Kamp | redak...
Der Beginn war wenig ermutigend. Die 1870 vollendete, heroische Oper «Alfred» erlebte ihre Uraufführung 1938 in Prag und wurde dann erst wieder 2014, und auch nur konzertant, gegeben. Dabei ist Theodor Körners deutsches Libretto so übel nicht, schon Flotow und Raff hatten es vertont. Auch an melodischer Erfindungsgabe, packenden Szenen und origineller...
