Fremde in der Nacht
Es läuft nicht immer alles nach Wunsch. Auf dem Papier war es ein Krönungsabend für die Sonnambula unseres Jahrhunderts; ein Abend, der die großen Nachtwandlerinnen der Vergangenheit vergessen machen sollte, von Giuditta Pasta über Maria Callas bis zu June Anderson. Und ja, Lisette Oropesa hat alle Voraussetzungen, um mit den genannten Göttinnen zu konkurrieren. Doch die Aufführung in Rom bereitete der US-amerikanischen Sopranistin noch einige Probleme.
Eine gewisse Nervosität war offensichtlich (und verständlich), vor allem im großen Finale, in dem Bellini die Virtuosität der Protagonistin hervorhebt; vermutlich wird Oropesa bei zukünftigen Aufführungen das Selbstvertrauen und die Ruhe zurückgewinnen, die nötig sind, um Eintritt in die Ruhmeshallen gewährt zu bekommen. Ihr Timbre ist hell, die Technik mehr als solide, und doch klangen einige Passagen rau und wirkte so mancher hohe Ton nicht nur gepresst, sondern schlichtweg zu laut.
Neben Oropresa verbreitete auch John Osborn wenig Glanz: Es kann jedem passieren, dass er nicht den richtigen Abend erwischt, und das war bei dem amerikanischen Tenor eindeutig der Fall – wenngleich vereinzelte Buhrufe am Ende seiner Auftritte ...
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Opernwelt Juni 2024
Rubrik: Panorama, Seite 53
von Stefano Nardelli
Was einigen Experten als geistloses «Nebenprodukt» des großen Richard Strauss erscheinen mag, darf bei genauerem Hören und Sehen, wie jetzt durch Tobias Kratzers aufgeklärte Inszenierung an der Deutschen Oper Berlin beglaubigt, durchaus Relevanz beanspruchen – als Kreation des autofiktionalen Sarkasmus eines Komponisten, der das Libretto zu seinem 1924 in Dresden...
Was ist das doch für ein wunderlicher, wahrer, weltumspannender Satz: «Fremd bin ich eingezogen, / fremd zieh’ ich wieder aus.» In wenigen Worten beschreibt der Dichter Wilhelm Müller eines der zentralen Dilemmata aller Zeiten – die Unbehaustheit des Menschen (im Äußeren wie im Inneren), seine Angst vor dem Verlust der Heimat, an Zuneigung, an Liebe, kurzum: dem...
arte
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