«Ich bin noch nicht in der Skat-Phase»

Es ist selten, dass man gemeinsam mit seinem Gesangslehrer auf der Bühne steht. Tareq Nazmi ist das kürzlich passiert, als Gurnemanz an der Bayerischen Staatsoper. Mittlerweile hat es den stilistisch flexiblen Bass von dort aus weiter getragen – nach Salzburg, Wien, Genf, Chicago. Ein Gespräch über Vorbilder, imposante Räume, kluge Ratschläge und den berühmten «Plan B»

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Herr Nazmi, nach Ihrem Einspringen als Gurnemanz an der Bayerischen Staatsoper haben Sie zu einem Facebook-Schnappschuss hinzugeschrieben: «Mit meinem alten Meister Christian Gerhaher». Wie findet er so etwas?
Ich habe kurz überlegt, ob ich das so formulieren darf. Aber unser Verhältnis ist sehr freundschaftlich.

Auch wenn Gurnemanz und Amfortas kaum gemeinsame Szenen haben: Wie war das, mit dem Gesangslehrer auf der Bühne zu stehen?
Er stand zwischendurch in der Gasse und hat zugehört. Da dachte ich zuerst: «Oje.

» Er hat das nicht als Kontrolle intendiert, sondern eher mit Wohlwollen verfolgt, nehme ich an. Obwohl ich sicherlich wenig von dem umgesetzt habe, was ich bei ihm gelernt habe... Als ich einem Kollegen während der Probe erzählte, dass ich bei Christian Gerhaher Unterricht hatte, meinte der trocken: «Davon hört man nix.» Aber im Ernst: Ich bekam ganz wichtige, entscheidende Impulse von ihm.

Sie haben Gerhaher einmal als «vollkommenen Sänger» bezeichnet. Was heißt das?
Als ich mit dem Singen angefangen hatte, hatte ich ein Problem. Ich fand, dass viele ihrem Singen etwas Künstliches, sehr Technisches beimischen. Oder auch eine starke Vokalveränderung, damit es gesanglich ...

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Opernwelt Juni 2024
Rubrik: Interview, Seite 38
von Markus Thiel

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