Schein und Sein

Zwei Inszenierungen am Theater Bremen und an der Hamburgischen Staatsoper bezeugen es: «La clemenza di Tito» ist und bleibt Mozarts spätes Schmerzenskind

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Dieser Nachfolger des großen Caesar übt noch, ein einschüchternder Herrscher zu sein. Zumal das hoheitsvolle Heben des Arms – welches Adolf Hitler knapp zwei Jahrtausende später, antike römische Imposanz imitierend, gar stramm zu perfektionieren suchte – will in seiner Wirkung überprüft sein, um im Einsatz vor den jubelnden Massen dann tunlichst nicht lächerlich zu erscheinen.

Also probt dieser Titus Vespasiano – lange vor seinem ersten offiziellen wie mit dem Libretto konform gehenden Auftritt – die Posen so privat, wie das in diesem jegliche Intimität verbietenden Raum ohne Rückzugsorte denn möglich ist. Denn Frauke Löffel hat auf die an Shakespeares kreisrundes Londoner Globe Theatre erinnernde Drehbühne allerhand Tribünen, Balkons und Schlossfassadenreste gestellt, die indes allesamt transparent sind: Wer hier wen belauscht oder heimlich betrachtet, ist für das Publikum im Theater Bremen bestens nachvollziehbar. Die Privatheit von Arien und Duetten ist daher immer nur eine relative, die öffentliche Wirkung auch der individuellen Affekte schwingt stets mit, sie wird von den Figuren mitunter womöglich gar einkalkuliert.

Die Selbstinszenierung der Mächtigen, ihr Kalkül zur ...

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Opernwelt Juni 2024
Rubrik: Im Focus, Seite 24
von Peter Krause

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