Freiheit und Erkenntnis

Vivaldi: La fida ninfa
Regensburg | Theater

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Wer sich erkennen will, braucht Abstand zu sich selbst. Er muss aus der Befangenheit in den eigenen Verhältnissen hinaustreten können, frei werden von den Imperativen seines Alltags, dessen bloße Abbildung nichts als neue Nötigung wäre. Darin liegt die große Weisheit der Alten, zumal des barocken Theaters, das Geschehen der Oper zu verlegen an ferne Orte und in ferne Zeiten.

Der Regisseur Johannes Pölzgutter hat es am Theater Regensburg verstanden, diesen Vorgang der Distanzierung als Gewinn von Freiheit und Erkenntnis auf die Bühne zu bringen – und zwar in dreifacher Weise: als Teil einer berührend erzählten Geschichte, als Strukturbeschreibung der barocken Zauber- und Maschinenoper sowie als Reflexion auf die Spannung zwischen historisierendem und aktualisierendem Theater.

Er verlegt die verwirrende, eher harmlose, musikalisch jedoch bezaubernde Geschichte zweier Hirten und zweier Nymphen, die Antonio Vivaldi unter dem Titel «La fida ninfa» 1732 herausgebracht hatte, scheinbar in unsere Zeit. In Folge eines Bürgerkriegs ist Narete mit seinen zwei Töchtern Licori und Elpina vom Menschenhändler Oralto verschleppt worden. Sie leben in einem schäbigen Verlies zusammen mit Osmino, ...

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Opernwelt Dezember 2019
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Jan Brachmann

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