Neue Töne für die Insel
In den 1980er-Jahren ist es nicht schlecht bestellt um die walisische Musiktheaterszene. Die Welsh National Opera rollt Wagners «Ring» aus, fordert ihr Publikum mit Inszenierungen wie Ruth Berghaus’ «Don Giovanni» oder Harry Kupfers «Fidelio», gewinnt Charles Mackerras als Musikchef, kurz, macht sich international einen Namen. Doch ums zeitgenössische Repertoire kümmert sich niemand. Zwei Studenten wollen das ändern. Michael Rafferty und Michael McCarthy stellen 1982 eine Produktion von Peter Maxwell Davies’ «The Lighthouse» auf die Beine.
«Ab diesem Abend wussten wir, was wir mit unseren Leben anfangen wollten», erinnert sich McCarthy. 1988 wird aus der Cardiff New Opera Group das Music Theatre Wales. Das Duo legt beliebte englische Kleinformate wie Brittens «Rape of Lucretia» und Birtwistles »Punch and Judy» auf, lässt Klassiker wie Strawinskys «L’Histoire du Soldat» oder Schönbergs «Pierrot lunaire» gelten, sorgt dafür, das Großbritannien Bekanntschaft schließt mit auf dem Kontinent längst bekannten Komponisten: Boesmans, Dusapin, Eötvös, Glass, Sciarrino. Unter den 31 Produktionen seit der Gründung sind 15 Auftragswerke – das Spektrum reicht von Glass’ «The Trial» bis zur ...
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Opernwelt Dezember 2019
Rubrik: Magazin, Seite 65
von Wiebke Roloff-Halsey
Vorbei die Zeiten, als das Publikum in die Oper strömte, weil der Besuch bei Mozart, Verdi, Wagner & Co. zum guten Ton des gesellschaftlichen Lebens gehörte. Die Stammkundschaft ist überaltert, der Nachwuchs macht sich rar. Was tun? Um diese Frage ging es in der dritten Runde der «Opernwelt-Dialoge» an der Oper Dortmund. Auf dem Podium (v. l.): Holger Noltze,...
Forschend blickt Christian Gerhaher auf dem Cover dem Betrachter ins Auge, an einen aufmerksamen Psychiater gemahnend. Wer könnte der Patient sein? Robert Schumann selbst? Clara? Wohl sind die «Myrthen», op. 25, die der Komponist seiner geliebten Braut 1840 am Vorabend der Hochzeit metaphorisch ins Haar wand, «eines der schönsten je einem liebend geliebten...
Wer sich erkennen will, braucht Abstand zu sich selbst. Er muss aus der Befangenheit in den eigenen Verhältnissen hinaustreten können, frei werden von den Imperativen seines Alltags, dessen bloße Abbildung nichts als neue Nötigung wäre. Darin liegt die große Weisheit der Alten, zumal des barocken Theaters, das Geschehen der Oper zu verlegen an ferne Orte und in...
