Frauenleben, Männerqualen
Schönes Entrée: Unzählige bunte Fahnen flattern am Ausgang des Rotterdamer Hauptbahnhofs im Wind, sämtlich tragen sie die Aufschrift «Operadagen». Das Festival, das im Mai seine 14. Ausgabe feierte, ist ein Großereignis in der Stadt, die im Zweiten Weltkrieg fast vollständig zerstört wurde und mit ihrem Mut für avantgardistische Baukonzepte als Ikone futuristischer Architektur gilt. Die Flanier- und Verkehrsachse Kruisplein, auch sie eng beflaggt, führt schnurstracks zu den beiden Hauptspielstätten – zum Konzertsaal De Doelen und zu der dahinterliegenden Schouwburg.
Guy Coolen, künstlerischer Leiter der Operadagen, ist ein Mann der ersten Stunde. Vor 16 Jahren erhielt er den Auftrag, ein innovatives, griffiges Konzept für die vor dem Krieg bedeutende Musiktheatermetropole zu entwickeln. Ursprünglich wollte sich Rotterdam – pünktlich zu Coolens Amtsantritt – ein neues Opernhaus genehmigen. Der riet jedoch zum alternativen Modell einer temporären Werkschau und fand damit Gehör bei der Kommunalpolitik: Vor zehn Jahren wurde ihm die Chefposition übertragen.
Operadagen, sagt er, sei vor allem ein Festival der Kooperationen; als Hauptpartner fungieren die Verantwortlichen von ...
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Opernwelt Juli 2019
Rubrik: Magazin, Seite 66
von Regine Müller
Mit Wagner hat die Musik von Philippe Manoury eigentlich nicht viel zu tun. Jedenfalls beim ersten Höreindruck. Die strudelnden Ströme, die vulkanisch bebenden Flächen, das gleißende Licht und all die krachenden Gewitter, die Manourys Klangfantasie immer wieder freisetzen, bilden schon eine Welt für sich. Eine Welt, die dauernd in Turbulenzen zu geraten, ständig...
Allzu oft bekommt man ihn nicht zu sehen, den «Ring» an der Met. Im April und Mai traten Nibelungen, Götter und Kohorten nach sechsjähriger Pause wieder an. Am Pult stand mit Philippe Jordan ein in New York selten anzutreffender Gast. Zur gespannten Erwartung trug auch Michael Volle bei, der nach seinem Rollendebüt als Wanderer im ersten der beiden Met-Zyklen auch...
Der eine hatte die Stars, der andere das Können. Arg verkürzt ist das formuliert, birgt aber zwei, drei Körnchen Wahrheit. Nachdem Nicola Antonio Porpora das London der 1730er-Jahre betreten hatte, sorgte er für einen Spielertransfer und einen Aderlass. Senesino und Farinelli spektakelten fortan in seiner Truppe, Konkurrent Georg Friedrich Händel hatte das...
