Französisches Barockglück

William Christie dirigiert Lullys «Armide», Hervé Niquet entdeckt Campras «Carnaval de Venise».

Opernwelt - Logo

Wenn auch nicht seine letzte Oper, so ist die 1686 uraufgeführte «Armide» dennoch der Gipfel von Jean-Baptiste Lullys musikdramatischem Schaffen: die Erfüllung eines Prozesses musikdramatischer Verknappung, den der Komponist und sein Librettist Philippe Quinault 13 Jahre zuvor mit ihrer ersten Tragédie lyrique «Cadmus et Hermione» begonnen hatten. Klar und zielgerichtet wie in keiner anderen Lully-Oper wird die Geschichte der unglücklich verliebten Zauberin erzählt, und selbst die Tanzeinlagen sind bruchlos in die dramatischen Spannungsbogen integriert.

Vor allem aber ist die Titelheldin die stärkste und individuellste Opernfigur Lullys, deren Wandlung von der starken Frau zum hilflosen Opfer der eigenen Gefühle bei Lully mindestens ebenso minutiös nachvollzogen wird wie ein Jahrhundert später in Glucks Vertonung des Stoffes. Es ist die Stärke von Robert Carsens gefeierter Pariser Produktion (siehe OW 12/2008), dass sie diese Qualitäten des Stücks in den Vordergrund rückt. Was im Prolog noch witzig als Touristenführung durch Versailles beginnt, schlägt bald in ein konzentriertes Beziehungsdrama um, das sich in einem dunklen, sparsam möblierten Bühnenraum abspielt. Es ist eine ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2011
Rubrik: Medien | CDs, DVDs, Seite 44
von Jörg Königsdorf

Weitere Beiträge
Der talentierte Sigr. Hendl

Entwarnung. Eine neue Händel-Oper ist mit «Germanico» nicht entdeckt worden. Die
80-minütige «Serenata a sei» enthält weder politische noch erotische Intrigen, sie ist vielmehr eine typische Fürstenhuldigung in drei Szenen, die auf eine auch musikalisch aufregende Traumerzählung des Titelhelden hinauslaufen und das Lob des Habsburger-Kaisers Joseph I. (1678–1711)...

Königliches Vergnügen

Als Ludwig XIV. ab 1661 ein altes Jagdschloss seines Vaters in eher sumpfig-fiebrigem Gelände zur Residenz ausbauen ließ, hatte das zwei Gründe. Er wollte, fern von Paris, den aufständischen Adel domestizieren, den er an den neuen Hof band. Und er wollte sich eine Kulisse seiner Herrschaft schaffen, die seinen Ruhm inszenieren, spiegeln, steigern und vor allem...

Der Sache verpflichtet

Die entscheidenden Sätze fallen en passant. Eigentlich geht es um Pollini, um den Eklat, den der Pianist 1995 bei den Salzburger Festspielen auslöste, als er sich in einem Konzert mit einem einzigen Werk hören ließ, dem «Klavierstück X» von Stockhausen. Davor hatte er das Feld anderen Musikern überlassen, den Zuhörern im Mozarteum Monteverdi vorgesetzt und Nono,...