Und ewig lockt das Gold
Das war knapp. Kurz vor Toresschluss des Wagner-Jahres hat das Staatstheater Nürnberg den Finger gehoben: Ja, auch dort muss ein neuer «Ring des Nibelungen» sein, bis zur Spielzeit 2015/16 wird er geformt. Es ist die dritte bayerische Tetralogie in kurzer Zeit, nach der mäßigen Münchner und der szenisch verunfallten Bayreuther.
Und noch immer hallt dabei die ironische, wahre Empfehlung von Bühnenvereins-Präsident Klaus Zehelein nach: Wie wär’s mit einer «Ring»-Pause?
Wer Wagners Opus summum stemmt, der hat nicht unbedingt Neues, sondern sich im Sinn, der braucht, ob Intendant oder GMD, das auch als Prestige-Projekt. «I did it»: Fehlt nur noch, dass man T-Shirts dafür druckt. Und die Orgie an Plastiktüten und -folien, die bei Nürnbergs Schicki-Göttern den Boden bedecken, scheint die Bedenken zunächst zu bestätigen. Das «Rheingold» als Öko-Drama, der Sündenfall wider die Natur noch vor dem Gold-Raub, das gibt es bereits. Doch entscheidend ist ja die Abwägung: Sind Inszenierungen für herumreisende Vielseher und Bescheidwisser gedacht – oder doch fürs Publikum vor Ort?
Regisseur Georg Schmiedleitner, Stefan Brandtmayr (Bühne) und Alfred Mayerhofer (Kostüme) glückt ein plausibler Abend. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2014
Rubrik: Magazin, Seite 65
von Markus Thiel
I.
Gleich zu Beginn, wenn das tiefe «Es» aus dem Orchestergraben brummt, hebt sich der eiserne Vorhang. Im Halbdunkel sehen wir ineinander geknäulte Menschenleiber, hundert oder hundertfünfzig mögen es wohl sein. Ein Spiegel, der aus dem Schnürboden herunterragt, lässt ihre Zahl ins Unendliche wachsen. Je mehr sich der Es-Dur Dreiklang auffaltet, desto mehr faltet...
Niemals in der Musikgeschichte hatten Triangel-Spieler so viel zu tun wie in der französischen Oper des 19. Jahrhunderts. In den Ouvertüren zu Daniel-François-Esprit Aubers «La Muette de Portici» wie auch zu Georges Bizets «Le Docteur Miracle» ist der Spieler des zweifach gebogenen Metallstäbchens geradezu im Dauereinsatz. Darin erschöpfen sich allerdings auch...
Herr Protschka, warum brauchen wir einen Gesangswettbewerb ohne Altersbeschränkungen?
Ein Wettbewerb wie ArtOpera ist wichtig, weil Sängerbiografien nicht so geradlinig verlaufen wie die von Instrumentalisten. Wir Sänger fangen relativ spät an – Ausnahmen wie Anja Silja bestätigen die Regel. Meist geht es erst nach der Pubertät oder nach dem Stimmbruch richtig los....
