Fragilität und Fülle
Bleich sieht er aus, wenn er so in die Leere starrt. Leise tönt seine Stimme. Mehr singt es aus ihm, als dass er die Initiative ergreifen würde. A-Dur ist plötzlich eine fahle, weiße Tonart und «Là ci darem la mano» alles andere als eine Verführungsnummer. Don Giovanni holt seine Gedanken aus weiter Ferne. Mit der kleinen, drallen Zerlina jedenfalls, deren Augen seinen Blick suchen, haben sie nichts zu tun. Und dann gibt er sich einen Ruck, schaut sie an – und lässt sich von ihr verführen.
Denn das ist seit jeher sein Geheimnis gewesen: dass er nicht den dämlichen Sexprotz gegeben hat mit praller Hose und leerem Kopf, sondern dass er den Frauen gezeigt hat, was sie mit ihm machen, dass er sich fallen ließ in ihre Blicke, ihre Düfte, ihre abwehrende Bereitschaft. Indem er sie zu Siegerinnen erhob, sicherte er sich den Sieg.
Im zweiten Akt gibt es dann doch ein Liebesduett, und wieder heißt die Tonart A-Dur. Nur dass Don Giovanni dieses A-Dur sofort ins Dominantische und bisweilen auch ins Mediantische überhöht. Jetzt schwelgt und schmachtet er und zeigt seinem Diener, wie das geht. Doch es sind die Töne einer echten, alten Beziehung, die hier klingen. Donna Elvira war Giovannis ...
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Opernwelt Juli 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Stephan Mösch
Rezensieren kann man dieses Buch eigentlich nicht. Es wird von seinem Autor als «Arbeitsbuch», an anderer Stelle als «subjektiv verfasstes Übungsbuch» bezeichnet. Beides trifft zu. Das heißt: Sängerinnen und Sänger sollten dieses Buch nehmen und die darin vorgeschlagenen Übungen ausprobieren – in der Gruppe oder im stillen Kämmerlein. Dann wird man den Wert der...
Es sind pubertierende Jugendliche – sechs Solisten sowie die von acht Mitgliedern des Chors Barock vokal Mainz dargestellten Nymphen und Hirten –, die Tatjana Gürbaca in ihrer bestürzend simplen, aber umso eindringlicheren Inszenierung von Johann Adolph Hasses Pastoralspiel «Leucippo» auf die Bühne des Schwetzinger Rokokotheaters zitiert. Es geht darin um die...
Frau Meyer, im Herbst 2015 wird das Haus am Offenbachplatz wiedereröffnet. Dann gibt es auch einen neuen Generalmusikdirektor – François-Xavier Roth, derzeit noch beim SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg, wird Nachfolger von Markus Stenz. Oper war bisher nicht Roths Schwerpunkt. Was haben Sie miteinander vor?
Die Details kann ich natürlich noch nicht...
