Fragilität und Fülle

Christof Loy zeigt in Frankfurt einen «Don Giovanni» für Kenner. Christian Gerhaher debütiert in der Titelpartie

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Bleich sieht er aus, wenn er so in die Leere starrt. Leise tönt seine Stimme. Mehr singt es aus ihm, als dass er die Initiative ergreifen würde. A-Dur ist plötzlich eine fahle, weiße Tonart und «Là ci darem la mano» alles andere als eine Verführungsnummer. Don Giovanni holt seine Gedanken aus weiter Ferne. Mit der kleinen, drallen Zerlina jedenfalls, deren Augen seinen Blick suchen, haben sie nichts zu tun. Und dann gibt er sich einen Ruck, schaut sie an – und lässt sich von ihr verführen.

Denn das ist seit jeher sein Geheimnis gewesen: dass er nicht den dämlichen Sexprotz gegeben hat mit praller Hose und leerem Kopf, sondern dass er den Frauen gezeigt hat, was sie mit ihm machen, dass er sich fallen ließ in ihre ­Blicke, ihre Düfte, ihre abwehrende Bereitschaft. Indem er sie zu Siegerinnen erhob, sicherte er sich den Sieg.

Im zweiten Akt gibt es dann doch ein Liebesduett, und wieder heißt die Tonart A-Dur. Nur dass Don Giovanni dieses A-Dur sofort ins Dominantische und bisweilen auch ins Mediantische überhöht. Jetzt schwelgt und schmachtet er und zeigt seinem Diener, wie das geht. Doch es sind die Töne einer echten, alten Beziehung, die hier klingen. Donna Elvira war Giovannis ...

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Opernwelt Juli 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Stephan Mösch

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