Am Kern vorbei
Der Plan war stimmig: Pünktlich zum 250. Geburtstag Ludwig van Beethovens wollte Glyndebourne im vergangenen Jahr eine Neuinszenierung von dessen einziger Oper «Fidelio» herausbringen – in der Regie von Frederic Wake-Walker, dirigiert von Festivaldirektor Robin Ticciati. Doch daraus wurde aus hinlänglich bekannten Gründen nichts. Nun, ein Jahr später, bildete die Produktion – allerdings mit einem neuen Cast und einem anderen Dirigenten – die Eröffnung des Herbstfestivals.
Im Gegensatz zu den beiden anderen Stücken, die bei dieser Gelegenheit als Wiederaufnahmen präsentiert wurden – Gaetano Donizettis «Don Pasquale» und Igor Strawinskys «The Rake’s Progress» – zeigte man «Fidelio» jedoch nur in Glyndebourne selbst.
Wake-Walkers Regiearbeit mutet an wie eine substanziell-bildmächtige Rückbesinnung auf das Original, allerdings mit einem zentralen Unterschied: Bis auf ein, zwei Ausnahmen sind die originalen Dialoge durch einen englischsprachigen Text ersetzt, den der Regisseur gemeinsam mit seinem Assistenten Peter Cant und Gertrude Thoma, der Darstellerin der (als Figur hinzuerfundenen) «Estella», verfasst hat. Meist sitzt diese Estella am Rand der riesigen, käfigartigen Bühne (Anna ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Dezember 2021
Rubrik: Panorama, Seite 52
von George Hall
Die Verwirrungen der Liebe, sie sind enorm in diesem Stück. Doch der moralische Kommentar der Autoren bleibt aus. Nur der kleine Satyr kommentiert das Geschehen mit verschmitzter Außensicht: «Pazzi quei, ch’in Amor credono». Sind nicht all jene, die Amor vertrauen, Verrückte? Vermutlich schon. Und insbesondere die Frauen bekommen ihr Fett ab. «Così fan tutte» wird...
Liebe Leserin, lieber Leser,
ich weiß nicht, wie es Ihnen geht. Aber ich bin gerne im Ruhrgebiet unterwegs. Über die spezielle «Schönheit» dieses «Landstrichs» brauchen wir uns nicht zu unterhalten. Nur so viel: Es gibt auch hier Schönheit(en)!
Neulich war ich aus diesen und anderen (ja, richtig: beruflichen!) Gründen in Gelsenkirchen, bei einem «Otello» von...
Hohe Poesie war es nicht unbedingt, was da in der Mai-Ausgabe der Zeitschrift «Musica» des Jahres 1967 zu lesen war. Aber dazu fühlte sich der Kritiker Hans Böhm auch nicht berufen. Seine Aufgabe bestand darin, eine Uraufführung an der Dresdner Hochschule für Musik Carl Maria von Weber zu besprechen: «Weiße Rose», von ihren Autoren, dem Kompositionsstudenten Udo...
