Fort vom Leben
Lange her, dass man in Franco Zeffirellis Verfilmung von Verdis «Traviata» nicht nur hörte, sondern sah, dass Violetta Valérys trauriges Ende in keinem Moment dieser Oper abzuwenden sein wird. Viele Inszenierungen greifen das zu Recht auf und bebildern schon die Ouvertüre entsprechend. Doch keineswegs immer so eindrucksvoll und originell, wie es nun am Stadttheater Gießen der Fall ist.
Da ist, schön, aber spärlich ausgeleuchtet, eine Art klassizistische Skulptur zu sehen, eine Schlafende (Ohnmächtige?) hingegossen, wie von Johann Heinrich Füsslis «Nachtmahr» inspiriert.
Über ihr ist etwas, das man nicht gleich erkennen kann. Dann schreckt die Frau hörbar auf, Bewegung kommt auch in die unheimliche Gestalt, die über ihr hockt. Die apart ineinander verwickelten Körper – der Dämon übergriffig – werden zu zwei einzelnen. Magdalena Stoyanova ist der biegsame, stumme Dämon im hautengen Ganzkörpertrikot (Kostüme: Henriette Hübschmann). Er ist nicht direkt brutal, aber penetrant und nicht abzuschütteln. Kaum ist Stoyanova hinter einer Wandvertäfelung verschwunden, taucht sie an anderer Stelle schon wieder auf. Könnte lustig sein. Ist aber schaurig.
Annika Gerhards ist, in feiner weißer ...
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Opernwelt März 2026
Rubrik: Panorama, Seite 56
von Judith von Sternburg
Die Sonne über Mailand, sie leuchtete an diesem milden Apriltag des Jahres 2011. Doch nur außerhalb des Teatro alla Scala. Drinnen war es düster. Und das nicht nur, weil der Stoff, der dort verhandelt wurde, dieses Attribut in sich trug – Heiner Müllers von toxischen Energien durchfurchtes Theaterstück «Quartett» spielt sowohl vor der Französischen Revolution als...
Oper oder Oratorium? Das ist hier, da ein biblischer Hintergrund fehlt, nicht die Frage. Bei dem Werk, das am 19. Februar 1736 vor illustrem Publikum im Covent Garden Theatre zu London aus der Taufe gehoben wurde, handelt es sich entschieden um eine Ode. Schon die Vorlage, John Drydens «Alexander’s Feast; or the Power of Musick», war, wenngleich nur in barock...
Eine Frau blickt zurück. Auf ihr Leben, auf Menschen, die ihr im Verlauf dieses Leben begegnet sind (und von denen sie schon einige verloren hat), auf das, was und wie es war, und ebenso auf das, was mit einiger Sicherheit nicht mehr sein und nie mehr werden wird. Viel Zeit bleibt ihr nicht für diese Rückschau. Die Frau ist krank, sterbenskrank. Und eigentlich...
